Kursrutsch
Gute Nachrichten helfen Infineon nicht

Im Laufe eines Morgens vom größten Dax-Gewinner zum Schlusslicht: Papiere des Chipherstellers Infineon mussten trotz eines neuen Liefervertrages mit Samsung kräftige Einbußen hinnehmen. Aktienhändler wundert das keineswegs.

HB FRANKFURT. Früh am Tage sah für Infineon noch alles gut aus: erst der Abgang des gescheiterten Vorstandschefs Wolfgang Ziebart, dann der Abschluss eines Liefervertrages mit Samsung. Ergo: Infineon-Aktien waren zu Handelsbeginn gefragt, legten um bis zu 3,7 Prozent zu. Aber wie so oft gilt: gute Nachrichten sind schlechte Nachrichten und so liegen die Papiere des Chipherstellers inzwischen 2,4 Prozent im Minus. Zwischenzeitlich waren es gar 3,7 Prozent gewesen.

Erklärung auf dem Parkett: "Der Ziebart-Abgang wird positiv gesehen, aber letzten Endes war das keine Überraschung, sondern nur eine Frage der Zeit", sagte ein Händler. "Ein Kostensenkungsprogramm ist gut, aber es gibt ja noch nichts konkretes." Der Vertrag mit Samsung sei zwar an sich eine gute Nachricht, "aber Samsung sieht kein Wachstum im Chipsektor, und es ändert alles nichts an den immensen Problemen von Infineon."

Unruhiges Fahrwasser also für den neuen Kapitän auf der Brücke des gebeutelten Unternehmens. Der heißt Peter Bauer, ein Eigengewächs und ausgewiesener Branchenexperte, der die Firma wie seine Westentasche kennt. Der 47 Jahre alte gebürtige Münchener hat sein ganzes Berufsleben in der Chipbranche mit ihren rasanten Entwicklungen und heftigen Konjunkturausschlägen zugebracht.

Nun bemüht sich der Halbleiter-Hersteller erst einmal, die Wogen zu glätten. Peter Bauer sei „keine Übergangslösung“, betonte ein Sprecher des Unternehmens am Dienstag. Ziebart hatte nach wochenlangen Querelen „aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung des Unternehmens“ seinen Hut genommen - was Analysten kritisch bewerten.

Günther Hollfelder von UniCredit zum Beispiel bewertete den Rückzug von Ziebart kritisch. „Wir bedauern den Rücktritt von Ziebart, da er die richtigen Entscheidungen getroffen hat als es beispielsweise um die Trennung vom volatilen Speicherchip-Geschäft ging.“ Er halte alle Geschäftsfelder von Infineon für gut positioniert. Mit Blick auf NXP schrieb Hollfelder in einer Studie, für einen möglichen Zusammenschluss werde möglicherweise zu viel bezahlt. Auch Merill Lynch reagierte skeptisch. Insgesamt dürfte der Wechsel an der Spitze des Unternehmens in den kommenden Monaten zu mehr Unsicherheit führen, schrieben die Analysten der Bank in einem Kommentar.

Die gibt es jetzt auch wieder, trotzdem, dass Infineon den amerikanischen Konkurrenten Qualcomm bei Samsung ausstechen konnte. Der weltweit zweitgrößte Handy-Hersteller wird Handychips von Infineon beziehen, um seine Abhängigkeit von seinem Hauptzulieferer Qualcomm zu reduzieren. "Damit mehr Wettbewerb bei den Kosten entsteht, lassen wir uns von Infineon beliefern", sagte ein Samsung-Sprecher des südkoreanischen Konzerns am Dienstag.

Zuvor hatte die Zeitung "Chosun Ilbo" hatte berichtet, Samsung habe im vergangenen Monat ein neues Handy-Modell entwickelt, dass mit Infineon-Chips bestückt sei. Das Modell werde seit Anfang Mai in Europa verkauft. Durch den Schritt wolle Samsung mehr Spielraum bei den künftigen Preisverhandlungen mit Qualcomm gewinnen. Infineon hatte bei Samsung bereits im Sommer 2007 mit der Übernahme der Handy-Chipsparte von LSI einen Fuß in die Tür bekommen. Die Südkoreaner wren bereits damals deren größter Kunde. Damit konnten die Münchener den letzten noch fehlenden bedeutenden Handyhersteller zu ihrer Bestellerliste hinzufügen. Samsung ist der weltweit größte Speicherchiphersteller, fertigt für seine Handys allerdings keine Mobilfunkhalbleiter.

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