Labor-Affäre
Handelsblatt mit Wächterpreis ausgezeichnet

Die Handelsblatt-Investigativ-Redakteure Sönke Iwersen und Jan Keuchel erhalten den Wächterpreis der Tagespresse 2015. Die Jury zeichnete sie für ihre Berichterstattung über die bayerische Labor-Justizaffäre aus.
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DüsseldorfÜber Monate wirkten ihre Büros wie Aktenhalden, ihre Gespräche klangen für den Rest der Redaktion seltsam. Honorarabrechnungsmethoden von Speziallaboren, der Unterschied zwischen MIII- und OIII-Leistungen, die Feinheiten der ärztlichen Gebührenordnung - zuweilen schien es, als bildeten sich die Handelsblatt-Redakteure Sönke Iwersen (44) und Jan Keuchel (50) während der Dienstzeit im Fach Medizin weiter.

Dann legten die beiden Journalisten das Ergebnis ihrer Recherchen vor. Über Spezl-Usancen in Bayern gab es Interessantes zu berichten. Jahrelang, so schrieben Iwersen und Keuchel aus dem Handelsblatt-Investigativ-Team, hatte die Justiz im Freistaat die Arbeit ihrer eigenen Ermittler behindert. Eine unheilige Allianz aus einem Großlabor und 10.000 Ärzten hatte das Gesundheitswesen um bis zu 500 Millionen Euro geschädigt. Doch die Staatsanwältin hatte kein Interesse. Sie ließ Beweismittel löschen oder zurückgeben, und ihre Vorgesetzten fanden daran nichts Anstößiges.

Der Handelsblatt-Report hatte Folgen. Als die innere Mechanik der bayerischen Justizaffäre im Mai detailliert auf mehreren Seiten im Handelsblatt analysiert wurde, schrie die Opposition im Landtag auf. Weitere Artikel verstärkten den Druck auf die Politik noch. Im September 2014 rief der bayerische Landtag einen Untersuchungsausschuss ins Leben. Der dauert an.

Die Jury des Wächterpreises der Tagespresse aber findet die Arbeit von Iwersen und Keuchel bereits heute für preiswürdig. Wie die Stiftung der „Freiheit der Presse“ am Freitag bekanntgab, werden die beiden Handelsblatt-Redakteure für ihre Recherchen über die bayerische Justiz mit dem zweiten Preis des Wächterpreises ausgezeichnet. Der erste Preis geht an die beiden Journalisten Bastian Obermayer und Uwe Ritzer von der Süddeutschen Zeitung für ihre Berichterstattung über den Autoclub ADAC. Den dritten Preis erhalten Uschi Ach (Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung) und Marc Rath (Magdeburger Volksstimme/Stendaler Volksstimme). Sie deckten massive Wahlfälschungen bei Kommunalwahlen auf.

Der Wächterpreis wird bereits zum 46. Mal verliehen und ist einer der renommiertesten Journalistenpreise in Deutschland. Die diesjährige Verleihung findet am 19. Mai im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt.

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