Lagardes Ex-Büroleiter
Orange-Chef in Polizeigewahrsam

Wegen einer Affäre um eine Investorengruppe ist jetzt der Chef der französischen Telekom in Polizeigewahrsam. Er ist auch persönlich verbunden mit der IWF-Chefin Lagarde. Ihre Beteiligung in der Affäre ist umstritten.
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ParisIm Zusammenhang mit einer Finanzaffäre um IWF-Chefin Christine Lagarde ist deren einstiger Bürochef aus ihrer Zeit als französische Finanzministerin in Polizeigewahrsam genommen worden. Es handelt sich um den derzeitigen Chef des Telefonkonzerns Orange, Stéphane Richard, wie am Montag aus Justizkreisen in Paris verlautete. Außerdem wurde Jean-François Rocchi im Polizeigewahrsam verhört, der damals Chef der Finanzgesellschaft CDR war, die eine zentrale Rolle in der Affäre spielte.

Tapie hatte Adidas 1993 an eine Investorengruppe verkauft, an der auch die damals staatliche Bank Crédit Lyonnais beteiligt war. Tapie, der im folgenden Jahr Privatinsolvenz anmelden musste, warf der Bank vor, ihn bei dem Geschäft übervorteilt zu haben, und klagte auf Entschädigung. Um den jahrelangen Rechtsstreit zu beenden, rief die damalige französische Finanzministerin Lagarde 2007 ein Schiedsgericht an, das Tapie schließlich Schadenersatz in Höhe von 285 Millionen Euro - mit Zinsen rund 400 Millionen Euro - zusprach.

Umstritten ist die Anrufung des privaten Schiedsgerichts wie auch Lagardes Entscheidung, gegen den Schiedsspruch keinen Widerspruch einzulegen, obwohl ihr Experten dazu rieten. Seit August 2011 laufen gegen Lagarde erste Ermittlungen wegen „Beihilfe zur Fälschung” und „Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Gelder”.

Einem formellen Ermittlungsverfahren war Lagarde Ende Mai entgangen; die IWF-Chefin wurde als „Zeugin mit Rechtsbeistand” eingestuft - eine Art „Zwitterstatus” zwischen Beschuldigtem und Zeugen. Die Ermittler haben allerdings den Verdacht, dass Tapie eine Vorzugsbehandlung erhielt, weil er den Konservativen Nicolas Sarkozy im Präsidentschaftswahlkampf 2007 unterstützt hatte.

Richard hatte erst kürzlich versichert, dass es „weder Anordnung, noch Anleitung, noch besonderen Druck” aus dem Elysée-Palast von Sarkozy in dem Fall gegeben habe. Er habe sich zwar im Sommer 2007 mit dem Generalsekretär des Elysée-Palastes und Sarkozy-Vertrauten Claude Guéant sowie Rocchi wegen des Schiedsspruchs getroffen. Dabei sei festgestellt worden, dass der Schiedsspruch die „beste Lösung” sei, sagte Richard der Nachrichtenagentur AFP. Alle seien sich damals über das Schiedsverfahren einig gewesen.

Ein Sprecher des Telefonkonzerns Orange, der derzeit auch noch unter dem Namen France Télécom firmiert, erklärte am Montag, Richard bleibe trotz des Polizeigewahrsams an der Spitze des Unternehmens.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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