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09.10.2007 
Hoher Umsatz

Langenscheidt strotzt vor Zuversicht

von Hans-Peter Siebenhaar

Langenscheidt sieht der erwarteten Konsolidierung in der Buchbranche gelassen entgegen, die Geschäfte der Münchener Verlagsgruppe laufen überdurchschnittlich gut. Im vergangenen Jahr legte der Gesamtumsatz nach Informationen des Handelsblatts um 3,1 Prozent auf 263 Mill. Euro zu. Vor allem Zukäufe und Duden verhelfen der Verlagsgruppe zu hohem Umsatz.

CANNES. Die deutsche Buchbranche insgesamt meldete in den vergangenen Jahren dagegen leichte Umsatzrückgänge, obwohl sie mehr Titel verlegte. Für dieses Jahr rechnet die Branche mit einem Umsatzwachstum zwischen einem und zwei Prozent. Heute gibt der Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, eine Prognose für das laufende Buchjahr ab. Langenscheidt erwartet dagegen ein Umsatzwachstum von drei bis fünf Prozent für die Verlagsgruppe. Zum Gewinn macht das Traditionsunternehmen traditionell keine genauen Angaben. „Über fünf Prozent Umsatzrendite ist unser Ziel. Das kriegen wir hin“, sagte Verleger Andreas Langenscheidt dem Handelsblatt. „Wir haben im vergangenen Jahr in der Gruppe eine mittlere einstellige Umsatzrendite erreicht“, sagte Verleger Langenscheidt und ergänzte: „Unser Vorsteuergewinn wird nahezu konstant in diesem Jahr sein.“

Vor allem der wegen der Rechtschreibereform neu aufgelegte Duden bescherte Langenscheidt einen Umsatzschub. Aber auch Zukäufe wie der Kalenderverlag Weingarten sowie Medienkooperationen mit dem Magazin „Geo“ (Gruner + Jahr) oder der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Holtzbrinck, Verleger des Handelsblatts) sorgten für steigende Erlöse. Wie hoch der Anteil der Zukäufe am Umsatzwachstum ist, gab Langenscheidt nicht an.

Langenscheidt fürchtet angesichts der überdurchschnittlichen Entwicklung die Konsolidierung im Buchmarkt nicht. „Eine natürliche Marktbereinigung wird sich nicht vermeiden lassen. Dies wird auch die Titelvielfalt verändern. Durch den Wettbewerb erhöht sich zweifelsohne der Margendruck oft zuerst auf die kleinen Verlage“, sagte Andreas Langenscheidt dem Handelsblatt. „Konsolidierung ist eine normale Antwort auf einen schrumpfenden Markt“, sagte auch Verlagsleiter Rolf Müller. Dem Preisdruck, den Buchhandelsketten wie Thalia ausüben, begegnet das Familienunternehmen Langenscheidt mit einer klaren Haltung. „Wenn es keine Gegenleistung gibt, sind wir beinhart und nicht zu Zugeständnissen bereit“, sagt Müller.

Das Branchenblatt „Buchreport“ berichtete zuletzt, dass Thalia eine harte Rabattrunde bei den Verlagen eingeleitet habe, die ziemlich ruppig verlaufen sei. Thalias Ziel sei es, neben dem branchenüblichen Nachlass von 50 Prozent auf den Kaufpreis zusätzliche Werbekostenzuschüsse zu erhalten. Dadurch könnte sich der Rabatt auf 55 Prozent erhöhen. Thalia, eine Tochter des Handelskonzern Douglas, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Neben dem Preisdruck ist die Digitalisierung derzeit die größte Herausforderung für die Buchbranche. Nach einer gestern von der Frankfurter Buchmesse vorgelegten Umfrage wird Konkurrenz durch andere Medien und Unterhaltungsangebote als größte Gefahr für die Branche angesehen. Auch Langenscheidt spürt etwa bei den Lexikas die Konkurrenz aus dem Internet. „Bei Brockhaus müssen wir einen leichten Umsatzrückgang in diesem Jahr hinnehmen. Das ist nicht zufrieden stellend, liegt aber im Plan“, sagte Verleger Langenscheidt. „Auch wir beschäftigen uns mit der Frage des kostenlosen Nachschlagens im Internet.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Langenscheidt drückt die Kosten.

Die Münchener spüren zudem die Konzentration bei Reisebüchern und Karten. Auf Grund höherer Rabatte und des schwachen Dollarkurses sanken die Erlöse im vergangenen Jahr um 13 Mill. Euro auf 81 Mill. Euro. Langenscheidt ist nach der Stuttgarter Verlagsgruppe Mair-DuMont und der Hamburger Verlagsgruppe Ganske („Merian“) die Nummer drei in der Touristikbranche. Die Münchener versuchen nun die Kosten zu drücken. Ende 2006 war Langenscheidt in den USA und Asien mit dem Reisebuch- und Kartenverlag des französischen Reifenherstellers Micheln eine Vertriebskooperation eingegangen, um Kosten zu sparen.

In diesem Jahr gründeten die beiden Unternehmen in London einen Verlag, der die englischsprachigen Michelin-Reisebücher verlegt. „Wir haben bei unserer Kooperation mit Michelin in den USA einen außerordentlich guten Start hingelegt“, sagt Müller. Sowohl Langenscheidt als auch Michelin wollen nun gemeinsam weiter arbeiten. „Wir nehmen neue Projekte beispielsweise in Asien in Angriff“, heißt es bei Langenscheidt. Im Gegensatz zu USA und Asien schrumpft der Markt für Straßenkarten in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern sehr schnell.

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