Laudatio von Miriam Meckel
„Das Auto wartet“

Wirtschaftswoche-Chefredakteurin Miriam Meckel lobt die Arbeit von Lorenz Wagner, der Wirtschaft mit seiner journalistischen Arbeit lebensnah darstellt.
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Dieter Zetsche hat nie Zeit. Wartet man auf ihn, machen Mitarbeiter einen startklar: „Ziehen Sie die Jacke an und halten Sie die Tasche bereit. Wenn er hier ist, laufen Sie los. Das Auto wartet.“

So beschreibt Lorenz Wagner in seinem Porträt für das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ die Ein-Jahres-Rallye um die Welt auf den Fersen eines Mannes, dem gerade Geschäft und Job wegzubrechen drohen: Zeitmangel, Gewinnwarnung, Druck, Schweigen, Verkapselung. Das Psychogramm einer Führungspersönlichkeit in der Krise und der rettenden Wendung, klar, nah, nicht zynisch und wunderbar zu lesen.

Wirtschaft ist nichts Abstraktes, auch wenn wir sie in Deutschland leider gelegentlich so behandeln. Es sind fast immer Menschen, die Entscheidungen treffen unter zuweilen schwierigen Bedingungen.

Lorenz Wagner erzählt und erklärt Menschen, die die Wirtschaft ausmachen. Das gilt für den Topmanager Zetsche ebenso wie für die Gründerzwillinge Fabian und Ferry Heilemann, die ihr Start-up DailyDeal für 114 Millionen Dollar an Google verkaufen, um es kurz darauf zurückzukaufen, weil die Welt ohne das Unternehmensbaby leer ist und sie lieber weitermachen wollen.

„Paid by the hour, das war, was ich auf keinen Fall wollte. Das lässt sich nicht multiplizieren, ist nicht skalierbar.“ So zitiert Lorenz Wagner zu Beginn seines Zweifach-Porträts „Doppelt oder nichts“ den einen der beiden Brüder. Und gibt damit gleich einen Hinweis auf ausgezeichneten Journalismus.

Solche Geschichten lassen sich nicht im Akkord erzählen, und sie sind auch nicht skalierbar. Aber sie lösen ein, was der wunderbare Truman Capote einst über das Schreiben gesagt hat: „To me, the greatest pleasure of writing is not what it’s about, but the inner music that words make.“

Bei Lorenz Wagner gilt das nicht nur fürs Schreiben, sondern auch fürs Lesen seiner Geschichten. Sie treffen den Ton eines modernen Wirtschaftsjournalismus und sie bringen etwas im Leser zum Klingen – weit über den Moment des Lesens hinaus.

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