„Le Monde“ und „Libération“ verhandeln mit Investoren über eine Beteiligung
Frankreichs Zeitungen auf Geldsuche

Bei Frankreichs überregionalen Tageszeitungen brennt schon vor Weihnachten der Baum: Das Management der linksliberalen „Libération“ verhandelt exklusiv mit dem Geschäftsmann Edouard de Rothschild über einen Einstieg in die Tageszeitung. Bei Frankreichs Vorzeige-Blatt „Le Monde“ wiederum hat Chefredakteur Edwy Plenel entnervt das Handtuch geworfen; auch Le Monde sucht dringend neue Geldgeber. Der französische Medienriese Lagardère erwägt eine begrenzte Beteiligung am Verlag von Le Monde, bestätigen unternehmensnahe Kreise.

PARIS. Ähnlich wie die deutschen Zeitungen steckt die französische Presse in einer schweren Krise: Einbrechende Werbeeinnahmen, sinkende Leserzahlen, die Konkurrenz durch Gratisblätter sowie teure Beschäftigungsmonopole der Gewerkschaften machen Blättern wie „Le Monde“ und „Libération“ zu schaffen. Bei überregionalen Tageszeitungen bestimmen die Gewerkschaften, wie viele und welche Arbeitnehmer in Druck und Produktion arbeiten. Das treibt die Kosten, doch die Regierung scheut sich, dieses Monopol aus der Nachkriegszeit zu beseitigen. Als erstes Opfer der Pressekrise wurde das konservative Blatt „Le Figaro“ vom Rüstungsindustriellen Serge Dassault übernommen.

Die vom Philosophen Jean-Paul Sartre 1973 mitbegründete „Libération“ sucht schon seit Jahren einen neuen Partner. Nicht jeder ist willkommen: Der Investor Vincent Bolloré bot sich an, bis zu 25 Mill. Euro in die defizitäre Zeitung zu stecken. Seine Bedingung: Er will unter dem Markennamen „Libération“ TV-Sendungen für seinen Digitalkanal produzieren lassen, an denen die Redaktion aktiv mitwirkt. Bolloré hat aber in Frankreich einen Ruf als wenig zimperlicher Firmenraider.

Verlagschef Serge July war daher mehr als froh, als Ex-Investmentbanker Rothschild quasi als weißer Ritter auftauchte. Dem Vernehmen nach will er 20 Mill. Euro für eine Beteiligung von 36 Prozent zahlen. „Ich will um die Zeitung herum eine wirklich unabhängige Pressegruppe entstehen lassen“, sagte de Rothschild in einem Interview. Zunächst wolle er dem Blatt „die Mittel für seine weitere Entwicklung geben“. Die Unabhängigkeit der Redaktion soll gewahrt bleiben, die Mitarbeitergesellschaft SCPL soll ein Veto-Recht in allen strategischen Fragen behalten. Libération-Chef July nannte das Angebot „eine Chance“. „Das Projekt ist es wert, genauer untersucht zu werden“, sagt Edouard Launet, Sprecher der SCPL, es muss aber noch präzisiert werden. In den nächsten Wochen will die Mitarbeitergesellschaft entscheiden, ob sie die Offerte annimmt oder nicht.

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