Leo Apotheker
Was der neue Chef von Hewlett-Packard plant

Leo Apotheker fordert bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit der Berufung an die HP-Spitze, dass der Konzern innovativer werden soll. Bereits im vierten Quartal war diese Tendenz spürbar. HP schraubte das Forschungsbudget um fast 20 Prozent nach oben. Nicht die einzige Neuerung.
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FRANKFURT. Es war jedem klar, dass diese Frage irgendwann kommen würde - auch Leo Apotheker, seit dem 1. November Chef des IT-Konzerns Hewlett-Packard: Wo er denn nun gewesen sei die letzten Wochen, wollte ein US-Journalist in der Telefonkonferenz zu den jüngsten Quartalszahlen wissen. Apotheker konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, zeigte aber gleichzeitig kein Verständnis für die ganze Aufregung um seine Person.

"Die Frage ist sonderbar", wetterte Apotheker. Natürlich sei er in der HP-Zentrale in Palo Alto (Kalifornien) gewesen. Und auf Welttournee bei Kunden und Niederlassungen von HP. Einen "Weltrekord im Reisen" habe er dabei wohl aufgestellt, sagte er.

Selten zuvor war eine Telefonkonferenz zu Quartalszahlen bei HP derart mit Spannung erwartet worden wie diese. Seit Wochen findet sich HP mit Schlagzeilen über den Prozess zwischen den Softwareherstellern SAP und Oracle - und den Verbleib des früheren SAP-Chefs Apotheker - in den Medien wieder.

Oracle-Chef Larry Ellison wollte Apotheker, bis Anfang dieses Jahres noch oberster Manager bei SAP, in dem Streit um illegalen Datenklau medienwirksam in den Zeugenstand zerren. Doch die Vorladung war angeblich nicht zustellbar, weil Apotheker sich in der Öffentlichkeit partout nicht zeigen wollte.

Ellison habe die HP-Investoren nur ablenken, irritieren wollen, sagte Apotheker. Doch das sei ihm nicht gelungen. "Wir haben es in den letzten Wochen immer wieder gehört: Das, was unsere Investoren - aber auch die Mitarbeiter - wirklich interessiert, ist unsere Geschäftsentwicklung und das Wachstum."

Und natürlich das, was der "Neue" mit HP vorhat. Vor allem eine Ankündigung sorgte für Aufmerksamkeit. Apotheker will wieder mehr Geld für Forschung und Entwicklung locker machen.

Das kommt gut an, draußen wie drinnen. "Er will wohl Fehler der Vergangenheit vermeiden", sagte ein HP-Manager. In seiner SAP-Zeit hatte man Apotheker immer wieder vorgeworfen, die Forschung zugunsten von Marge und Rendite zu kappen. Nun will Apotheker nicht nur mehr für neue Ideen ausgeben, er will sich sogar bei den Gehältern der Mitarbeiter spendabler zeigen.

Apothekers Vorgänger Mark Hurd, der wegen unkorrekter Spesenabrechnungen und dem Vorwurf der sexuellen Belästigung einer Mitarbeiterin gehen musste, hatte die Forschungsausgaben und Gehälter deutlich gestutzt. Lag das Forschungsbudget bei seinem Amtsantritt 2005 noch bei 4,1 Prozent des Jahresumsatzes, betrug es zuletzt nur noch 2,4 Prozent.

Für IT-Unternehmen ist das ein außergewöhnlich niedriger Wert. Microsoft etwa investiert im Schnitt zwischen sechs und sieben Prozent des Jahresumsatzes in die Entwicklung. Bei SAP sind es elf Prozent.

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