Liebe 2.0: Schnelles Geld mit Sex und Sehnsucht

Liebe 2.0
Schnelles Geld mit Sex und Sehnsucht

Das Internet hat aus der privatesten Angelegenheit der Welt ein Geschäft gemacht: der Liebe. Die Online-Partnersuche boomt. Neun Millionen Deutsche haben ihre bessere Hälfte bereits über das Internet gefunden.
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DüsseldorfAls Heike von Heymann beschließt, das Private nicht mehr privat sein zu lassen, weiß sie noch nicht, dass sie damit eine der wenigen deutschen Erfolgsgeschichten des Internets anstoßen wird. Die Hamburgerin steht Ende der 90er-Jahre ohne den Vater ihres Kindes da und mit einer Mutter, die ebenfalls noch mal einen Partner sucht. Das Internet steckt noch in den Anfängen. Heymann ahnt aber: "Das Internet ist das Medium, um Menschen zusammenzubringen." Sie beschließt, das Ganze selbst anzugehen. Sie schreibt ein Konzept, sammelt 50.000 D-Mark Startkapital und bringt 1998 das Datingcafé ans Netz.

Heymann gründet so das Geschäft mit Sehnsucht, Sex und Partnerschaft. Dabei wagt sie einiges. Schließlich schickt sie sich an, den privatesten Lebensbereich zu einem Geschäft zu machen. Heymann stellt die Frage, wie viel Liebe kosten darf, und balanciert das Verhältnis von Gefühl und Geschäft neu aus.

Ihre Anteile am Datingcafé hat die 50-Jährige längst an Investoren verkauft, ihre Geschäftsidee aber blieb. Was einst klein begann, ist zu einer Branche mit mehr als 2000 Anbietern gewachsen. Allein das wichtigste halbe Dutzend von ihnen - darunter Unternehmen wie Elitepartner, Parship, Friendscout24, Edarling oder Neu.de - setzt jährlich etwa 200 Millionen Euro um. Renommierte Verlage wie Bauer oder das Internetimperium des Stefan von Holtzbrinck betreiben das Geschäft, aber auch Weltkonzerne wie die Deutsche Telekom.

Von zehn Millionen Singles, die es in Deutschland gibt, suchen sieben Millionen ihren Partner mittlerweile über das Internet. Den Liebesdienstlern ist offenbar die Abschöpfung nahezu des kompletten Marktpotenzials gelungen. Und damit die Umkehrung eines Satzes, den die Schauspielerin Katharine Hepburn einst sprach: "Liebe ist nicht das, was man erwartet zu bekommen, sondern das, was man bereit ist zu geben." Die Online-Dater haben genau gemacht: Liebe ist das, was man bereit ist zu investieren. Nie war emotional so rational.

Einer dieser digitalen Liebes-Revoluzzer besetzt gleich drei Stockwerke in einem Haus am feinen Hamburger Speersort. Der Marktführer braucht Platz. Parship ist einer der Dienste, die in den vergangenen Jahren die Online-Partnersuche in Deutschland gesellschaftsfähig gemacht haben. Unten sitzt der Kundenservice, oben empfängt Vorstandschef Peter Schmid. 160 Mitarbeiter arbeiten hier. Sie sitzen an einem Ort, der wohl gewählt ist: auf einer Seite die Mönckebergstraße, die Einkaufsmeile Hamburgs, das echte Leben also; gegenüber der "Zeit" Verlag, der mit fünf Prozent an Parship beteiligt ist.

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