
DüsseldorfAls Heike von Heymann beschließt, das Private nicht mehr privat sein zu lassen, weiß sie noch nicht, dass sie damit eine der wenigen deutschen Erfolgsgeschichten des Internets anstoßen wird. Die Hamburgerin steht Ende der 90er-Jahre ohne den Vater ihres Kindes da und mit einer Mutter, die ebenfalls noch mal einen Partner sucht. Das Internet steckt noch in den Anfängen. Heymann ahnt aber: "Das Internet ist das Medium, um Menschen zusammenzubringen." Sie beschließt, das Ganze selbst anzugehen. Sie schreibt ein Konzept, sammelt 50.000 D-Mark Startkapital und bringt 1998 das Datingcafé ans Netz.
Heymann gründet so das Geschäft mit Sehnsucht, Sex und Partnerschaft. Dabei wagt sie einiges. Schließlich schickt sie sich an, den privatesten Lebensbereich zu einem Geschäft zu machen. Heymann stellt die Frage, wie viel Liebe kosten darf, und balanciert das Verhältnis von Gefühl und Geschäft neu aus.
Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen Online-Partnervermittlungen und Online-Flirt-Portalen. Es folgt eine Auflistung der wichtigsten Anbieter.
Das Online-Flirt-Portal kommt auf 761.000 Besucher pro Monat. Gemessen wurden die Daten im Juni 2011. Der Preis liegt bei knapp 90 Euro pro Quartal. Die Stiftung Warentest gibt der Seite in ihrer Untersuchung eine 3,3.
Auf Rang zwei der Online-Flirt-Portale folgt mit einigem Abstand das Flirt Café mit 464.000 Besuchern pro Monat.
Auf Rang drei folgt Neu.de mit 355.000 Besuchern.
Abgesehen von den größten Drei gibt es eine Reihe von weiteren Flirtbörsen. In einer Untersuchung von Stiftung Warentest erreicht DAting Cafe die beste Note - nämlich eine 2,7. Pro Quartal kostet die Mitgliedschaft 51 Euro. Die Zielgruppe sind Singles mit Niveau, im Schnitt Ende 30.
Kostenlos und dennoch gut bewertet ist Finya. Bei Stiftung Warentest kommt die Flirtbörse für junge Manschen ab 18 auf eine Durchschnittsnote von 2,9.
Wie der Name schon sagt, richtet sich 50plus-Treff an Single in höherem Alter. Die Mitgliedschaft kostet rund 60 Euro im Quartal.
Zumindest die Stiftung Warentest hält nicht besonders viel von der Börse Flirtcafe, denn sie vergab die Note 5,2. 57 Euro kostet Flirtcafe im Quartal.
Bei den Online-Partnervermittlungen liegt Elitepartner.de klar vorne. Das Portal kommt auf 352.000 Besucher. Auch hier wurde im Juni 2011 gemessen. Mit 60 Euro pro Monat ist die Teilnahme aber nicht gerade ein Schnäppchen.
Mit einigem Abstand folgt auf dem zweiten Rang Parship. Hier klicken monatlich 180.000 Besucher.
Auf dem dritten Platz folgt Edarling mit 141.000 Besuchern. Die Daten stammen von Singlebörsen-Vergleich, Bitkom und Nielsen.
Nicht gerade ein Schnäppchen ist das Portal partnersuche.de - denn pro Quartal kostet die Teilnahme 179 Euro. Dabei bewertet die Stiftung Warentest das Portal nur mit 3,4. Parship (2,2), Elitepartner (3,1) und Edarling (3,3) kommen da besser weg.
Be2 richtet sich an Single ab 25 Jahren, die eine feste Beziehung suchen. Pro Quartal kostet es 150 Euro. Die Durchschnittsnote liegt bei 3,0.
Mit einer Gebühr von 74,50 Euro pro Quartal ist partner.de die günstigste Partnerbörse. Die Zielgruppe ist im Schnitt Mitte 40.
Der Aussage "Ich habe ein Date via Internet verabredet" stimmen vor allem die 14- bis 29-Jährigen zu: 47 Prozent sagen hier: das habe ich schon mal getan. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 21 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen neun Prozent und bei den über 65-Jähringen immer noch 13 Prozent.
Ihre Anteile am Datingcafé hat die 50-Jährige längst an Investoren verkauft, ihre Geschäftsidee aber blieb. Was einst klein begann, ist zu einer Branche mit mehr als 2000 Anbietern gewachsen. Allein das wichtigste halbe Dutzend von ihnen - darunter Unternehmen wie Elitepartner, Parship, Friendscout24, Edarling oder Neu.de - setzt jährlich etwa 200 Millionen Euro um. Renommierte Verlage wie Bauer oder das Internetimperium des Stefan von Holtzbrinck betreiben das Geschäft, aber auch Weltkonzerne wie die Deutsche Telekom.
Von zehn Millionen Singles, die es in Deutschland gibt, suchen sieben Millionen ihren Partner mittlerweile über das Internet. Den Liebesdienstlern ist offenbar die Abschöpfung nahezu des kompletten Marktpotenzials gelungen. Und damit die Umkehrung eines Satzes, den die Schauspielerin Katharine Hepburn einst sprach: "Liebe ist nicht das, was man erwartet zu bekommen, sondern das, was man bereit ist zu geben." Die Online-Dater haben genau gemacht: Liebe ist das, was man bereit ist zu investieren. Nie war emotional so rational.
Einer dieser digitalen Liebes-Revoluzzer besetzt gleich drei Stockwerke in einem Haus am feinen Hamburger Speersort. Der Marktführer braucht Platz. Parship ist einer der Dienste, die in den vergangenen Jahren die Online-Partnersuche in Deutschland gesellschaftsfähig gemacht haben. Unten sitzt der Kundenservice, oben empfängt Vorstandschef Peter Schmid. 160 Mitarbeiter arbeiten hier. Sie sitzen an einem Ort, der wohl gewählt ist: auf einer Seite die Mönckebergstraße, die Einkaufsmeile Hamburgs, das echte Leben also; gegenüber der "Zeit" Verlag, der mit fünf Prozent an Parship beteiligt ist.