Linden Lab: Neue Welten jenseits von „Second Life“

Linden Lab
Neue Welten jenseits von „Second Life“

Ein zweites Standbein für die Betreiber von „Second Life“: Linden Lab will neben ihrer virtuellen 3D-Welt künftig interaktive Geschichten anbieten. Das kommt nicht von ungefähr, ihr bislang einziges Produkt stagniert.
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San FranciscoDie Macher der virtuellen Welt „Second Life“ suchen zusätzliche Geschäftsfelder: Die Betreiberfirma Linden Lab hat am Donnerstag die Entwicklung neuer Erlebniswelten im Internet angekündigt. Dafür übernimmt sie das Computerspielstudio Little TextPeople. Die von LittleTextPeople entwickelte Künstliche Intelligenz zur Gestaltung interaktiver Geschichten werde Linden Lab in neue Produkte einfließen lassen, teilte Vorstandschef Rod Humble mit. „Das Ergebnis dieser Investition wird eine neue Art von digitaler Unterhaltung sein, die den Roman zu einer Erfahrung zum miteinander geteilten Storytelling modernisiert.“

Humble leitet Linden Lab seit einem Jahr, zuvor war er bei Electronics Arts an der Entwicklung der populären Alltagssimulation „The Sims“ beteiligt. „Second Life“, das 2006 und 2007 als erste 3D-Welt im Internet Schlagzeilen machte, wird von den Mitgliedern mit Avataren besiedelt, die ebenso wie die von ihnen bevölkerten Orte individuell gestaltet werden können.

Der Experte Anthony Mullen sieht in dem Zukauf eine sinnvolle Ergänzung für Linden Lab. „LittleTextPeople ist spezialisiert auf textbasierte Spiele, daher passen die Firmen gut zusammen“, sagte der Analyst von Forrester Research. Denn „Second Life“ fehle das für Spiele typische erzählerische Element - das könne das Startup bieten. Zudem versuche Linden Lab, neue Einnahmequellen anzuzapfen.

„Second Life“ hat in Sachen öffentlicher Wahrnehmung eine Achterbahnfahrt hinter sich. Nach dem anfänglichen Hype schrieben viele die damals noch ausgereifte Plattform angesichts massiver technischer Probleme ab. In den Massenmarkt hat es die 3D-Welt zwar nie geschafft, allerdings hat sich eine treue Fangemeinde entwickelt.

Die Nutzungszahlen waren im vergangenen Jahr stabil: Gut eine Million Nutzer loggten sich regelmäßig ein, sie verbrachten pro Monat 100 Millionen Stunden auf der Plattform.

Allerdings hat „Second Life“ starke Konkurrenz. Zum einen gibt es zahlreiche Spezial-Plattformen, etwa „Habbo Hotel“ für Kinder und Jugendliche oder Spiele wie „World of Warcraft“. Zum anderen binden Soziale Netzwerke wie Facebook immer mehr Nutzer an sich.

Geschäftszahlen veröffentlicht Linden Lab nicht. Die Firma betont aber, seit Jahren profitabel zu sein. Trotzdem entließ sie Ende 2010 rund ein Drittel der damals 300 Mitarbeiter. Offizielle Begründung: Verbesserung der Profitabilität. Linden Lab bietet „Second Life“ kostenlos an, Nutzer zahlen für Premium-Accounts mit erweiterten Funktionen sowie beim Umtausch von realem Geld in virtuelle Linden-Dollar. Außerdem können Firmenkunden gegen Gebühr geschützte Konferenzräume in der dreidimensionalen Umgebung einrichten. Etliche Bildungseinrichtungen nutzen die Plattform fürs E-Learning.

Analyst Mullen ist davon überzeugt, dass dreidimensionale Welten wie „Second Life“ eine Zukunft haben: „Sie verbessern sich im Gleichtakt mit Prozessorleistung und Internet-Bandbreite. Die technischen Begrenzungen fallen immer weniger ins Gewicht.“ Linden Lab dürfe daher die Entwicklung daher nicht einstellen: „'Second Life' ist ein schlafender Riese.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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