Linkedin
Das Umsatzplus aus dem Zauberhut

Das Online-Karriereportal Linkedin hat in der Nacht ein üppiges Erlöswachstum verkündet. Doch die Freude der Anleger darüber währt nur kurz – denn das überraschende Umsatzplus stammt nicht aus dem laufenden Geschäft.
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San FranciscoSoziale Netzwerke haben einfach kein Glück mehr an der Börse. Legen sie schlechte Zahlen vor so wie Twitter, dann stürzen die Aktienkurse ab. Legen sie gute Zahlen vor wie Facebook, dann kümmert es keinen und sie fallen, weil die Kosten zu stark steigen.

Das Online-Karriereportal Linkedin traf es am Donnerstag auch nicht besser. Ein erfolgreiches Quartal schickte die Aktie nachbörslich zunächst um über 14 Prozent ins Plus, bis dann das Kaninchen im Zauberhut entdeckt wurde und die Aktie auf Minus fünf Prozent gegenüber dem offiziellen Schlusskurs abstürzte.

Im abgelaufenen zweiten Quartal wuchsen die Erlöse im Jahresvergleich um ein Drittel auf knapp 712 Millionen Dollar (650 Millionen Euro), wie Linkedin nach US-Börsenschluss mitteilte. Das sah auf den ersten Blick toll aus, Analysten hatten mit weniger gerechnet. Doch der zweite Blick offenbarte, woher der Wind weht. Die 1,5 Milliarden Dollar schwere Akquisition von Lynda.com, einer Video-Schulungsseite für Jobsuchende wurde im Quartal abgeschlossen und brachte 18 Millionen Dollar an Umsatzplus.

Der „überraschende“ Umsatzanstieg war einem Zukauf und nicht einer Trendwende im eher flauen Kerngeschäft geschuldet. 62 Prozent des Umsatzes tragen Personalagenturen und Unternehmen bei, die auf Linkedin nach Kandidaten suchen, und hier wurde auch der Umsatz von Lynda.com eingebucht. Der Rest ist Werbung und Mitgliedsbeiträge.

380 Millionen nutzen LinkedIn

Vor diesem Hintergrund sah dann auch die angekündigte Zielerhöhung des Gesamtjahres auf 2,94 Milliarden Dollar Umsatz nicht mehr so glänzend aus. Denn im April war die Erwartung gerade erst auf 2,9 Milliarden gesenkt worden. Nimmt man nun die im Analystengespräch erwähnten 90 Millionen Dollar Umsatzbeitrag von Lynda für das gesamte Jahr heraus, dann hat also praktisch eine verschämte Herabsetzung der Prognose stattgefunden, rechnen Analysten vor.

Gleichzeitig weitete sich der Verlust im Quartal auf 67,75 Millionen Dollar aus, nach nur gut einer Million Dollar vor einem Jahr. So etwas passt der Wall Street überhaupt nicht mehr in den Kram, siehe Facebook mit einem Kostenplus von 82 Prozent. Vor allem dann nicht, wenn gleichzeitig die Wachstumsraten fallen. Das hat Facebook gerade erfahren müssen und LinkedIn macht keine Ausnahme. Denn das Umsatzwachstum von 33 Prozent gegenüber Vorjahr ist das schwächste der Unternehmensgeschichte.

Linkedin ist das größte berufliche Online-Netzwerk mit rund 380 Millionen Nutzern. Aber im Endeffekt sind das nur rund 64 Millionen Nutzer mehr als bei „Nischenanbieter“ Twitter. Die Frage, die sich viele Analysten stellen: Wird Facebook irgendwann mit seinen knapp 1,5 Milliarden Nutzern ernsthaft in den Business- und Jobmarkt einsteigen? Das könnte zu einer ernsten Bedrohung werden. Also lieber erst mal abwarten.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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