„Live Entertainment Award“
Ticket-Oskars gibt es in Hamburg

Die Preise für Rock-Konzertkarten werden weiter steigen. Davon zeigt sich Veranstalterlegende Fritz Rau überzeugt. Über 200 Euro pro Karte, wie aktuell bei den Rolling Stones, hält er noch lange nicht für die Obergrenze.

BAD HOMBURG. Profitieren werden von den hohen Preisen aber nur wenige Megastars, sagt der Mann, der 20 Jahre lang Tourneen der Stones organisiert hat. Die Masse der Künstler wird verlieren: „Die Erfolgreichen werden immer reicher“, fürchtet er, „und die Erfolglosen immer mehr.“

Als ob es kein morgen mehr gibt: In Sao Paulo musste die Polizei im Dezember einschreiten, als sich Massen von Fans vor Supermärkten um Karten für ein U2-Konzert prügelten, die immerhin rund die Hälfte eines durchschnittlichen Monatslohns kosteten. Robbie Williams verkaufte über zwei Millionen Karten (Stück 90 Euro) für seine Welttournee in wenigen Stunden. Und auch die Musicalbranche boomt wieder: Das Abba-Musical „Mama Mia“ feierte im Dezember in Stuttgart den Millionsten Besucher.

Live ist in und wenn am Donnerstag in Hamburgs „Fliegenden Bauten“ der LEA, der „Live Entertainment Award“, verliehen wird, tritt eine Branche in die Öffentlichkeit, die lange im Schatten der Musikfirmen wie Universal Music oder Sony BMG stand: Konzertveranstalter, Künstler-Manager und -Agenten. Diejenigen, die im Hintergrund die Fäden ziehen.

Dabei werden mit Konzerten, Tourneen und Musicals rund 2,9 Mrd. Euro pro Jahr umsetzen, sagt Jens Michow, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Veranstaltungswirtschaft (IDKV). Den größten Einzelmarkt stellen Musicals. Alleine Stage Entertainment („König der Löwen“, „Mama Mia“) setzt in Deutschland nach eigenen Angaben 300 Mill. Euro um. Zum Vergleich: Der gesamte CD-Verkauf in Deutschland lag vergangenes Jahr nur noch bei knappen 1,6 Mrd. Euro.

Doch den kleineren Veranstaltern der Branche wird nicht nur zum Feiern zumute sein. Sie leiden unter dem Preiswahnsinn der Giganten wie Robbie Williams oder Depeche Mode (75 Euro). „Viele talentierte Künstler bekommen heute die Säle nicht mehr voll, weil die Fans ihr Geld für eines der Mega-Ereignisse aufsparen“, bedauert Rau.

Für die Veranstalter werde die Durchführung kleinerer Konzerte oder Tourneen damit immer risikoreicher. Und bei wirklich großen Events werden sie bereits ausgebootet und auf Dienstleister reduziert.

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