Live-Sendung mit Intendanten
ARD checkt sich selbst – und findet sich ganz dufte

Zwei Intendanten der ARD stellen sich den kritischen Fragen des Publikums und eines professionellen TV- und Medienkritikers. Das ist die Idee hinter dem „ARD Check“, der am gestrigen Montagabend erstmals live gesendet wurde. Das Bemühen der beiden fröhlichen Herren Tom Buhrow (WDR) und Lutz Marmor (NDR) in allen Ehren – aber über oberflächliche Showkritik kam das Format nicht hinaus. Kann es wohl auch gar nicht.

HamburgGleich die allererste Frage eines Zuschauers im Talkrund war symptomatisch. Warum denn über Randsportarten so wenig berichtet würde, immer nur Fußball, wollte eine Dame wissen. Das ist Kritik, wie sie die ARD-Intendanten kennen und schätzen. Da kann Lutz Marmor verständnisvoll erläutern, dass er selbst ja auch Basketball-Fan ist aber Fußball halt nun mal der populärste Sport ist. Und es gebe ja auch die Dritten Programme, in denen ganz viel laufe und den Wintersport dürfe man auch nicht vergessen (Skispringen!) aber es jedem recht machen könne man leider auch nicht usw.

Ganz ähnlich sind Fragen nach zu wenig deutschen Liedern in den Radioprogrammen oder nach qualitativ hochwertigen TV-Serien. Ein Verweis auf den „Tatort“ hier, ein Verweis auf Publikumsbefragungen dort – schon kann es heiter weitergehen. Für ein kurzes Aufblitzen an unangenehmer Kritik sorgte „Tatort“-Kommissarin Sabine Postel, die leider zu kurz zu Wort kam und den beiden ARD-Bossen erklärte, für Inhalte würde schlicht zu wenig Geld ausgegeben. Weniger Drehtage für einen „Tatort“ mehr Druck am Set, dadurch womöglich geringere Qualität.

Diese immer wieder zitierten hochwertigen US-Serien würden ja pro Folge vier bis fünf Millionen Euro kosten, lamentierte Tom Buhrow. Da könne die ARD – offenbar arm wie eine Kirchenmaus – nicht mithalten. Und auch die Intendanten verdienten gemessen an ihrer Verantwortung gewiss nicht zu viel, es gehe keinesfalls um „goldene Löffel“, wie Buhrow mehrfach treuherzig blickend anführte. Und überhaupt. In einem Einspieler wurde vorgerechnet, dass vom Rundfunkbeitrag gerade mal 80 Cent pro Monat pro Beitragszahler für Sport- und Fußballrechte verwendet werden. Und für den „Tatort“ 14 Cent. Tenor: Für ein paar lumpige Cent bekommt ihr ein so tolles Programm.

Es erstaunt schon, mit welcher Nonchalance sich zwei Bosse der mit zig Milliarden aufgepumpten ARD hier vor ihrem Publikum arm redeten.

Diese Art der Aufrechnungen führt natürlich in die Irre, ebenso wie in die Irre führt, dass deutsche Beitragszahler im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld liegen, was die Beitragshöhe angeht. Deutschland hat natürlich ein paar Einwohner mehr als Österreich oder Schweden und in diesen Ländern werden mit den Gebühren oder Beiträgen weit weniger öffentliche-rechtliche Sende-Apparate unterhalten. In absoluten Zahlen ist der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk nämlich der teuerste der Welt.

Als Profi-Kritiker war Hans Hoff geladen, der es in diesem Format auch nicht leicht hatte. So wusste er nämlich gar nicht, wieviel Zeit er zum „Grillen“ von ARD-Chef Marmor zur Verfügung hatte. Er mühte sich redlich und warf Marmor vor, wenig bewegt und die große Systemfrage nicht angepackt zu haben. Das stimmt aber will die ARD das überhaupt? Die große Systemfrage anpacken?

Natürlich will sie das nicht. Sie will mit solchen Formaten wie dem „ARD Check“ gut gelaunt darlegen, dass man ja schon sehr viel gespart habe, jetzt aber wirklich mal wieder ein bisschen mehr Geld brauche, damit alles so weiterläuft. Darum hat die ARD von 2017 bis 2020 mal eben einen Mehrbedarf von 99 Mio. Euro pro Jahr anmeldet und die Auflösung aller Reserven (1,16 Mrd. Euro) verlangt.

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Alles ist gut so wie es ist. Guten Abend.

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