Livedoor-Skandal
Japanisches Internet-Idol steht vor Gericht

Einst war Takafumi Horie ein gefeierter japanischer Unternehmer, ein Star des Internets. Nun steht er vor Gericht. Er soll bei seiner Firma Livedoor Bilanzen manipuliert haben. Der Skandal hatte die Tokioter Börse schwer erschüttert und einen Kursrutsch ausgelöst.

HB TOKIO. Zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, er habe das Wertpapiergesetz gebrochen, sagte der 33-Jährige am Montag vor dem Gericht in Tokio: „Ich habe die genannten Verbrechen weder begangen noch angeordnet. Es ist bedauerlich, dass ich angeklagt wurde.“ Horie soll zusammen mit anderen Managern Umsatz und Gewinn bei der Firma Livedoor Marketing um Millionenbeträge aufgebläht und den Aktienkurs durch eine vorgetäuschte Akquisition manipuliert haben. Bei einer Verurteilung droht ihm eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

Horie war mit seinem rasanten Aufstieg zu einem der erfolgreichsten Unternehmer des Landes und zu einer Symbolfigur des „Neuen Japan“ geworden. Er galt bis zu seiner Verhaftung als Prototyp für einen neuen Unternehmertyp in Japan, der mit seinem aggressiven Auftreten an der Börse an der überkommenen Firmenkultur rüttelte. Sein extravaganter Lebensstil sorgte auch in der Boulevardpresse für Schlagzeilen.

Vom Beginn des Prozesses berichtete das japanische Fernsehen live. Medien zufolge hatten sich mehr als 2 000 Menschen seit Tagesanbruch in eine Schlage gestellt in der Hoffnung, einen der 61 Zuschauerplätze in dem Gericht ergattern zu können.

Chaos an der Börse

Horie hatte sich mit dem Internetportal Livedoor eine Anhängerschaft wohlhabender junger Japaner aufgebaut, die sich „Hills-zoku“ (Stamm der Berge) nannte. Vor zwei Jahren versuchte er, einen einflussreichen Rundfunksender zu übernehmen, der zum Konglomerat des Fuji-Konzerns gehört. „Es geht um die ideale Form für den Kapitalismus und den Börsenhandel“, sagte Fuji-Fernsehchef Hisashi Hieda vor Beginn des Prozesses gegen Horie. „Heute beginnt der Prozess, um darüber zu urteilen.“

Der Skandal um die gefälschten Geschäftszahlen und manipulierte Aktienkurse beim New-Economy-Konzern hatte das Vertrauen der Anleger erschüttert und Japans Börse ins Chaos gestürzt. Eine Razzia der Staatsanwaltschaft bei Livedoor hatte Anfang des Jahres zu panikartigen Verkäufen und massiven Verlusten an der Börse geführt.

Beim so genannten Livedoor-Schock hatten zehntausende von Livedoor-Aktionäre versuchten, ihre Anteile zu verkaufen. Zeitweise konnte die Tokioter Börse den Ansturm der Livedoor-Kunden – einst an die 220 000 – nicht bewältigen. Inzwischen ist Livedoor nicht mehr als Aktiengesellschaft notiert.

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