Livedoor trennt sich wieder von Radiosender NBC
Japanische Internetfirma dreht Übernahme zurück

Der japanische Internetprovider Livedoor tritt in einer als Kampf gegen das Establishment geltenden Übernahmeschlacht den Rückzug an. Livedoor-Chef Horie sucht nun nach den nächsten Kaufkandidaten.

bas TOKIO. Wenige Wochen nach der feindlichen Übernahme des landesweiten Radiosenders Nippon Broadcasting Corporation (NBC), kauft der Fernsehsender Fuji TV, Kern der Mediengruppe Fuji-Sankei, die Aktien des Radiosenders in einem Milliardendeal zurück. Zugleich beteiligt sich Fuji TV mit knapp 13 Prozent an Livedoor. Am Montag präsentierten die Chefs aller beteiligter Firmen ihren Kompromiss, der – ganz japanisch – das Gesicht von jedem Beteiligten wahrt.

So zahlt Fuji TV umgerechnet 750 Mill. Euro für die 50 Prozent, die Livedoor an dem Radiosender hält. Zudem kauft Fuji TV neue Aktien an Livedoor für gut 320 Mill. Euro und ist damit nach Livedoor-Gründer Takafumi Horie zweitgrößter Anteilseigner des Internetproviders.

Mit dem Kauf schafft Fuji TV Klarheit, denn der Radiosender war zugleich größter Anteilseigner von Fuji TV, so dass Livedoors Übernahme auch den Fernsehsender im Visier hatte. Livedoor macht durch den Rückzug keinen kurzfristigen Gewinn, denn der von Fuji TV gezahlte Aktienkurs von 6 300 Yen für jede NBC-Aktie entspricht in etwa dem, was Livedoor dafür gezahlt hat. Vielmehr mag die Angst vor einer Kräfte und Kosten zehrenden Blockade alle Seiten zum Einlenken gebracht haben. Denn NBC hatte als letzten Schachzug gegen eine Übernahme von Fuji TV einen großen Anteil seiner Aktien an dem Fernsehsender an eine Tochter der Internetholding Softbank verliehen.

Livedoor-Chef Horie, wie immer im T-Shirt, zeigte sich vor allem froh darüber, dass seine Firma künftig mit dem neuen Anteilseigner Fuji TV kooperieren wolle. Möglich seien etwa Fernsehprogramme auf den Internetseiten, sagte Fuji TV Präsident Koichi Murakami. Entschieden ist hier jedoch noch nichts.

Nun sucht Horie nach den nächsten Kaufkandidaten. „Ich glaube, ich habe etwas Innovatives in Japan getan.“ Jetzt wolle er diese Erfahrungen für weitere Beteiligungen und Übernahmen nutzen. Der feindliche Übernahmeversuch des 32 Jahre alten Universitätsabbrechers Takafumi Horie hatte in Japan für heiße Diskussionen gesorgt. Viele große Firmen sinnen nun über mögliche Abwehrmechanismen gegen feindliche Übernahmen nach.

Die öffentliche Meinung über den Livedoor-Chef und seinen Versuch war gespalten, unter anderem weil Horie den größten Teil des Aktienpakets im nachbörslichen Handel gekauft hat. Seitdem sind die Regeln geändert worden. Der Bekanntheit der Livedoor-Internetseiten hat die Übernahme aber gut getan. Am meisten verdient an dem medienträchtigen Übernahmeversuch hat hingegen wohl die US-Investmentbank Lehman Brothers, die den Deal organisiert und finanziert hatte.

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