Lord Black und sein zweiter Mann entnahmen über 400 Millionen Dollar
Untersuchungsausschuss bestätigt „Plünderung“ bei Hollinger

Es gleicht einer Plünderung im großen Stil: Medienmagnat Lord Conrad Black hat seinen luxuriösen Lebensstil durch Ausbeutung des eigenen Unternehmens, dem kanadischen Zeitungsverlag Hollinger International, finanziert. Von 1997 bis 2003 soll er systematisch mehr als 400 Millionen Dollar aus der Unternehmenskasse entnommen haben.

HB TORONTO. Jetzt ist es offiziell: Lord Conrad Black, ehemaliger Chef des kanadischen Zeitungsverlags Hollinger International, hat zusammen mit seinem zweiten Mann, David Radler, systematisch mehr als 400 Mill. Dollar (332 Mill. Euro) aus der Unternehmenskasse entnommen. Damit haben die Manager ihren aufwendigen Lebensstil mitfinanziert. „Aggressive Plünderung“ urteilt der abschließende Bericht, den der Untersuchungsausschuss der US-Börsenaufsicht SEC und einem US-Bundesgericht vorlegte. Die Summe von 400 Mill. Dollar ist deutlich höher als erwartet.

Der Untersuchungsausschuss unter Führung des früheren SEC- Chefs Richard Breeden wirf Black vor, aus einem großen Medienhaus ein Unternehmen gemacht zu haben, „dessen einziger Zweck es war, Cash für die kontrollierenden Aktionäre zu generieren, ohne Rücksicht auf den Erhalt, geschweige denn den Aufbau zukünftiger Unternehmenswerte“.

Bedeutung gewinnt der Fall über die Medienbranche hinaus durch die Frage, inwieweit ein kontrollierender Aktionär und Geschäftsführer sich über die anderen Anteilseigner und die langfristigen Interessen des Unternehmens hinwegsetzen darf. Black war und ist Mehrheitsaktionär bei Hollinger. Im vergangenen Herbst waren er und Radler nach Vorwürfen über „finanzielle Unregelmäßigkeiten“ um den unautorisierten Erhalt von 32 Mill. Dollar von der Geschäftsführung zurück getreten. Seitdem liefert sich Black einen Rechtsstreit mit den restlichen HollingerAnteilseignern, die die Rückzahlung der entnommenen Gelder fordern.

Die Details des Untersuchungsberichts erinnern an den Skandal um den früheren Tyco-Chef Dennis Kozlowski und dessen Griff in die Firmenkasse für private Zwecke. Im Fall Hollinger waren es über 5 000 Dollar für Handtaschen und Opernkarten, 24 950 für „Summer Drinks“, eine 42 870-Dollar-Geburtstagsfeier für Blacks Gattin und 90 000 Dollar für die Innenausstattungen seines Rolls Royce. Black, der seine kanadische Staatsbürgerschaft gegen die britische eingetauscht hat, ist als „Lord Black of Crossharbour“ eine schillernde Figur in der britischen Gesellschaft.

Politisch pikant an der Geschichte ist noch, dass prominente konservative Politiker wie Henry Kissinger und Richard Perle als Hollinger-Aufsichtsratsmitglieder Blacks private Entnahmen abgesegnet hatten. Perle war Berater von George W. Bush und wird durch den Bericht nicht entlastet.

Der Hollinger-Verlag publiziert Zeitungen wie die „Chicago Sun-Times“ und die „Jerusalem Post“. Der britische „Daily Telegraph“, für den sich auch der Springer-Verlag interessiert hatte, wurde zur Sanierung des Konzerns und gegen Blacks Willen an die schottischen Medienunternehmer Barclay verkauft.

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