Lothar Schröder im Gespräch „Die Telekom zeichnet ein geschöntes Bild“

Lothar Schröder, der Verhandlungsführer von Verdi im Telekom-Streit, sprach mit dem Handelsblatt über das Angebot der Arbeitgeber und darüber, wie weit die Gewerkschaft der Telekom entgegen kommen will. Die Fragen stellte Sandra Louven:
Gewerkschaftsmann Lothar Schröder und Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger stehen vor weiteren harten Verhandlungen. Foto: dpa Quelle: dpa

Gewerkschaftsmann Lothar Schröder und Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger stehen vor weiteren harten Verhandlungen. Foto: dpa

(Foto: dpa)

Herr Schröder, die Telekom will die Gehaltskürzungen mit Boni abfedern. Ist das die Lösung?

Sicher nicht. Wir sehen den Erfolgsbonus skeptisch. Wir brauchen für die Beschäftigten mehr Sicherheit und keine Boni, die vielleicht in der Zukunft einmal ausgezahlt werden.

Die Telekom bietet nicht nur Boni, sondern auch eine Erfolgsbeteiligung. Dafür sind nicht nur Unternehmens- sondern auch individuelle Ziele entscheidend...

Allein der Begriff ist schon irreführend. Die Telekom will damit ein geschöntes Bild zeichnen. In Wirklichkeit geht es um die Variabilisierung des Gehaltes. Die Erreichung von Zielen wird zum Bestandteil des Grundgehaltes gemacht - das ist kein Geld, das bei Erfolg oben drauf kommt.

Die Telekom sagt, wer seine individuellen Ziele übererfüllt, könne die geplanten Kürzungen von neun Prozent auffangen.

Theoretisch hat auch jeder Deutsche die Chance, im Lotto zu gewinnen. In der Vergangenheit haben wir aber erlebt, dass die Telekom bei der Festlegung der Ziele völlig überambitioniert gehandelt hat.

Meinen Sie damit die beiden Gewinnwarnungen?

Auch. Die Arbeitnehmer-Seite hat immer wieder darauf gedrängt, den Markt realistisch einzuschätzen. Aber das ist nicht passiert. Dasselbe gilt für die individuellen Ziele, die stets neu angepasst werden mussten.

Wieso sind Sie trotzdem an den Verhandlungstisch zurückgekehrt?

Wir führen die Gespräche nicht wegen dieser Ideen. Ausschlaggebend war für uns, dass die Telekom sich in allen Punkten gesprächsbereit gezeigt hat. In inoffiziellen Runden haben wir gemerkt, dass sie das ernst meint. Das ist uns viel wichtiger als die so genannte Erfolgsbeteiligung.

Redet die Telekom auch über die neun Prozent Gehaltskürzung?

Diese neun Prozent können so nicht stehen bleiben. Die Telekom hat sich auch in diesem Punkt zumindest offen und gesprächsbereit gezeigt.

Der Konzern muss aber sein Sparziel erreichen. Wo kommen Sie dem Unternehmen entgegen?

Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, uns in künftigen Tarifrunden etwas zurückzuhalten, wenn dafür jetzt die Gehälter nicht gekürzt werden. Das Ergebnis wäre dann ein flacherer Lohnverlauf, aber keine Eingriffe in die Portemonnaies der Beschäftigten.

Wie nah sind Sie sich in den inoffiziellen Gesprächen gekommen?

Wir würden nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn wir nicht daran glauben würden, dass wir eine Lösung erzielen können - auch wenn es noch sehr große Differenzen gibt.

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