Lotto im Internet: „Wir bieten Prosecco, aber überall gibt es Schnaps“

Lotto im Internet
„Wir bieten Prosecco, aber überall gibt es Schnaps“

Der Traum vom Millionengewinn verliert seinen Reiz: Immer weniger Menschen spielen Lotto. Anbieter wie Lotto 24 wollen die Spieler mit schicken Apps locken. Doch die Gesetze machen ihnen das Leben schwer.
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DüsseldorfLotto, das ist der kleine Traum vom großen Glück. „Nächste Woche Du“ – vielleicht fallen ja mal die richtigen Kugeln, wenigstens drei oder vier. Dutzende Buchautoren wollen herausgefunden haben, wie man seine Chancen erhöht, ob mit „Insider-Strategien“ oder Traumdeutung. Auch wenn es meist doch nichts wird, ist das Los so etwas wie die Baugenehmigung für ein Luftschloss, zumindest bis zur Ziehung der Zahlen.

Doch 60 Jahre nach der ersten Ziehung der Lotterie 6 aus 49 kommt diese bundesrepublikanische Institution in die Jahre: Immer weniger Menschen spielen. Junge Leute pokern und wetten lieber im Netz, anstatt im Kiosk ihre Kreuzchen zu machen, auch die Älteren setzen seltener. 2007 spielten noch 35 Prozent der Deutschen wenigstens einmal im Jahr, 2013 nur noch 25 Prozent. „Den Klassenlotterien sterben langsam die Kunden weg“, sagt Tilman Becker, Glücksspielforscher an der Universität Hohenheim.

Für eine Reanimierung könnte das Internet sorgen: Einige junge Firmen wollen mit schicken Apps das Ankreuzen der Glückszahlen beschleunigen und an lukrative Jackpots erinnern – und so an der Hoffnung aufs Glück mitverdienen. „Wir treten an, Lotto vor dem Aussterben zu bewahren“, sagt Petra von Strombeck, Chefin von Lotto 24. Derzeit investiert das Unternehmen kräftig, um sich einen Namen zu machen. Allerdings haben die privaten Lotto-Vermittler mit widrigen Bedingungen zu kämpfen: mit den strengen Gesetzen in Deutschland, andererseits mit ausländischen Konkurrenten, die sich darum nicht scheren.

Der Umsatz der staatlichen Lotterien entwickelte sich in den letzten Jahren mehr schlecht als recht (siehe Infokasten). Doch der Online-Vertrieb brummt, seit er Mitte 2012 wieder zugelassen wurde. „Online wächst, offline nicht“, sagt von Strombeck. Von den fast 7 Milliarden Euro, die deutsche Spieler 2014 setzten, entfielen nur 400 Millionen Euro aufs Digitalgeschäft, es ist also noch Luft nach oben. Nun verkaufen nicht nur die staatlichen Lotterien Lose übers Internet, sondern Anbieter, neben Marktführer Lotto 24 beispielsweise auch Einfachlotto und Lottohelden.

Doch wie hebt man sich von der Konkurrenz ab, wenn alle das gleiche Produkt anbieten? Lotto 24 setzt zum einen auf Technik. Eine Smartphone-App erspart Nutzern den Gang zum Kiosk. Der virtuelle Lottoschein ist schnell ausgefüllt und abgeschickt, das Programm erinnert außerdem an den Annahmeschluss und weist auf große Jackpots hin. Das geht fix in der U-Bahn oder in der Werbepause vor dem Fernseher.

Zum anderen ist das Marketing enorm wichtig. „Nur die ersten paar Anbieter sind relevant, weil man sie findet“, erklärt die Managerin – nur wer bei Google weit oben steht, hat eine Chance. Im Geschäftsjahr 2014 investierte Lotto 24 für jeden neuen Spieler 45 Euro.

Das sei eine lohnenswerte Investition, sagt von Strombeck: „Der Lottokunde ist sehr treu. Wenn man ihn gut behandelt, bleibt er lange dabei.“ Jeder Spieler gebe im Durchschnitt 600 Euro im Jahr aus – 9,5 Prozent bleiben beim Vermittler hängen, also knapp 60 Euro. Welche Rolle das Marketing beim Verkauf eines relativ austauschbaren Produktes spielt, weiß von Strombeck: Sie verkaufte bereits für Danone Joghurts.

Lotto 24 muss noch beweisen, dass das Geschäftsmodell funktioniert. 2014 machte die Aktiengesellschaft operativ 14 Millionen Euro Verlust, bei nur 8 Millionen Euro Umsatz. Dies ist vor allem dem teuren Marketing geschuldet, das aber Wirkung zeigt: Die Spieleinsätze wuchsen um 168 Prozent auf 82 Millionen Euro, die Zahl der registrierten Kunden verdoppelte sich auf 520.000. Von Strombeck ist davon überzeugt, dass ihre Firma bald profitabel sein kann. Die laufenden Kosten könne man bereits mit den Einnahmen tragen.

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Illegale Konkurrenz aus dem Ausland

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  • Jackpot abschaffen und die Millionen auf alle Spieler ausschütten. Dann würde ich auch wieder mitspielen.

  • Ja und, dann ist das eben so. Als wenn Lotto ein Verlust wäre. Oder brauchen wir jetzt auch dafür eine Bestandsgarantie wie für den ÖR?'

    Es gibt viel zu viele Sportwetten, die einzig legale Sportwette ist eigentlich die Pferdewette, aber die wird vom Staat systematisch kaputt gemacht und da kräht kein Hahn nach. Aber Lotto darf laut und öffentlich jammern.

  • Nach der aktuellen Rechtslage dürfte es staatliches Lotto mit der entsprechenden Werbung gar nicht geben. Schließlich schottet der Staat mit dem vorgeschobenen Argument der Prävention gegen die Spielsucht die gesamte private Konkurrenz ab.

    Diese Verlogenheit ist mit ein Grund dafür, weshalb die Akzeptanz in der Fläche zurückgeht.

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