Lotus Symphony
Bürosoftware von IBM ist stark gefragt

IBM hat mit einem neuen „Office-Programm“ den Geschmack der Computernutzer getroffen: Das Anwendungspaket Lotus Symphony kann Tabellen, Texte und Präsentationen verarbeiten – und ist kostenlos. Trotz des überraschenden Comebacks drängt der Konzern nicht in das Anwendungsgeschäft zurück.

FRANKFURT. Die neue kostenlose Bürosoftware von IBM, Lotus Symphony, scheint sich zu einem Renner zu entwickeln. „Wir hatten in den ersten drei Tagen 100 000 Downloads und bis jetzt über eine Million Besucher auf der Internetseite“, sagte Sebastian Krause, Chef der deutschen Software-Sparte des Unternehmens, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

IBM hatte Symphony vor rund zwei Wochen auf den Markt gebracht. Das Paket umfasst eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation sowie ein Präsentationsprogramm. Es kann ohne Gebühr aus dem Internet geladen werden. Der Schritt des IT-Riesen in den von Microsoft dominierten Office-Markt hatte bei vielen Branchenkennern Erstaunen hervorgerufen. Schließlich hatte sich IBM vor Jahren aus dem Geschäft mit sogenannter Anwendungssoftware verabschiedet.

Daran hat sich laut Krause nichts geändert. „Wir werden nicht in das Applikationsgeschäft einsteigen. Da gibt es absolut keine Pläne“, sagte er. Zwar gehöre Lotus Symphony eindeutig in diese Software-Gattung. Doch das Ziel der Software sei ein anderes: „Wir zeigen, dass IBM auf offene Standards und offene Architekturen setzt. Es geht uns darum, unseren Kunden eine Alternative zu geschlossenen Systemen und den damit verbunden Kosten zu bieten.“

Lotus Symphony basiert auf quelloffener Software (Open Source). Dabei ist der Kern der Programme jedem zugängig. Programmierer können die Software verändern und ergänzen, müssen Neuerungen aber ebenfalls der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Anbieter wie Microsoft setzen dagegen auf Systeme mit geheimen Quellcodes. Auch bei den Datenformaten stehen sich beide gegenüber. Symphony arbeitet mit dem ODF-Standard, einem offenen Format für Texte und ähnliche Daten. Microsoft versucht seit geraumer Zeit das eigene Format OpenXML als Standard neben ODF zu etablieren, ist damit aber kürzlich bei der Normierungsinstanz ISO am Widerstand einiger Länder gescheitert.

Microsoft dominiert den Markt für Büroanwendungen. So ist der Marktanteil des Software-Riesen von 79 Prozent im Jahr 1997 auf 97,7 Prozent im Jahr 2007 gestiegen. Allerdings wächst der Wettbewerb. So hat neben IBM auch Adobe vor wenigen Tagen angekündigt, in den Markt einsteigen zu wollen. Zudem ist der Suchmaschinen-Gigant Google hier aktiv.

Für IBM haben die Büroanwendungen aber noch einen anderen Hintergrund: den Trend in Richtung Kooperation und Kollaboration. Immer häufiger werden Projekte von Teams rund um den Globus bearbeitet, die IT muss dafür die Infrastruktur schaffen. Office-Software ist ein wichtiger Bestandteil dieser Kollaborations-Systeme. „Lotus basiert auf einer offenen Plattform und enthält andererseits Web-2.0-Funktionalitäten, die neue Formen der Zusammenarbeit ermöglichen“, sagte Krause.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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