M-Commerce
Mobiles Shopping wird zum Milliardengeschäft

Der Einkauf per Handy wächst rasant und beschert Händlern gute Geschäfte. Allein der Online-Marktplatz Ebay rechnet in diesem Jahr mit 1,5 Milliarden Dollar Warenumsatz über mobile Applikationen. Das neue Betriebssystem Windows Phone 7 beschleunigt den Trend.
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DÜSSELDORF. Per Finger-Wisch auf dem kleinen Bildschirm blättern, zoomen und bestellen: Ende Mai gehörte das Hamburger Versandhaus Otto zu den ersten, die ihren Artikelkatalog komplett auf Apples iPad brachten.

Stolz präsentierte sich Europas größter Versender als Pionier beim mobilen Einkauf, dem sogenannten M-Commerce. Dies sei man im übrigen seit dem Start der ersten Internet-fähigen Handys, hieß es dazu in der Hamburger Firmenzentrale. Und der war vor elf Jahren.

Doch der Wettbewerb holt auf. Vente Privée, ein 2001 in Frankreich gegründeter Vermarkter von Restposten der Markenindustrie, geht beim Wettlauf um die modernste Technik in Führung. Das auch deutschen Kunden geöffnete Shopping-Portal, mit einem Jahresumsatz von 680 Millionen Euro inzwischen ein Schwergewicht im Onlinehandel, wird weltweit zu einem der ersten Nutzer des neuen Smartphone-Betriebssystems Windows Phone 7. Auch Ebay ist dabei.

Dabei startet die neue Microsoft-Plattform, die in Geräten von Samsung, LG und HTC den bisherigen Platzhirschen Apple und Blackberry Konkurrenz machen soll, offiziell erst heute. Den elektronischen Zugangsschlüssel ("App") zu den virtuellen Verkaufsräumen können sich die Online-Shopper von Vente Privée bereits jetzt über den "Windows Marketplace" kostenlos herunterladen. "Das mobile Business passt perfekt zu unserem Geschäftsmodell", sagte Marketing-Direktor Nicolas Cosson dem Handelsblatt. Dank der neuen Mobile-Services könnten Club-Mitglieder nun jederzeit und überall an den zeitlich begrenzten Verkaufsaktionen teilnehmen.

Deutschland überholt die USA

Auch Ebay ist bereits zum Start mit einer App auf den neuen Windows-Handys präsent. Schließlich rechnet der Online-Marktplatz dieses Jahr mit 1,5 Milliarden Dollar Warenumsatz über mobile Applikationen - nach 600 Millionen Dollar im Jahr davor. In Deutschland kauften Kunden Produkte für mehr als 60 Millionen Dollar über die iPhone-App - vor allem Männer.

Fürs mobile Shopping hat Ebay im Juni die US-Firma Red Laser übernommen. Mit der Technik liest das iPhone über die Kamera die Barcodes von Produktverpackungen und zeigt gleich entsprechende Angebote auf Ebay - eine Technik, die Deutschland-Chef Stephan Zoll gern vorführt. Ebay könne nicht mehr erwarten, dass die Nutzer nur über Desktop-Computer kämen, sagt der Manager.

Entsprechend bläst Otto zur Aufholjagd. "Auch wir werden bald mit einer App für Windows Phone 7 starten", kündigt eine Sprecherin an. Angespornt von Umsatzerfolgen, die Online-Versender wie Globetrotter oder Hennes & Mauritz zuletzt über Smartphones erzielten, wollen sich nun auch viele traditionelle Handelskonzerne das Geschäft mit den "Windows-Phone"-Nutzern nicht entgehen lassen. Immerhin traut die Marktforschungsfirma Gartner Microsofts Betriebssystem schon bald einen Marktanteil von fünf Prozent am Gesamtmarkt der Smartphones zu. Zum Vergleich: Apple kommt derzeit auf 15, Blackberry auf knapp 18 Prozent.

"Früher waren uns die USA gut 24 Monate in der Entwicklung voraus", berichtet Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Versandhandel (BVH). "Demnächst werden wir sie überholen." In den vergangenen zwölf Monaten hätten die Umsätze über die mobilen Geräte merklich zugenommen, beobachtet der Handelsexperte. Ursache dafür seien bequeme und sichere Bezahlverfahren, die seit neuestem von den Onlinehändlern angeboten würden.

Otto macht immerhin vor, wie sich per iPhone "spielerisch" neue Umsätze erzielen lassen. Wer sich den "Style Shaker" als App herunterlädt, kann sich durch Schütteln des Geräts sein komplettes Outfit zusammenstellen. Die per Finger-Berührung auf dem Bildschirm fixierten Artikel werden im iPhone gespeichert, so dass sie der Nutzer anschließend mit seinen Freunden diskutieren - und natürlich auch kaufen - kann.

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