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09.04.2008 
Freenet will Mobilfunkanbieter übernehmen

Machtfrage verzögert Debitel-Deal

von Jens Koenen

Die Übernahme-Verhandlungen zwischen dem Mobilfunk- und Internetanbieter Freenet und dem Debitel-Eigentümer Permira sind nach Informationen des Handelsblatts in eine schwierige Phase geraten zu sein. Vor allem in einem Punkt sind sich beide Parteien alles andere als einig.

FRANKFURT. In einer internen E-Mail von Debitel -Chef Oliver Steil an die Mitarbeiter dominieren vorsichtige Töne. "Ziel ist es natürlich, schnellstmöglich zu einem Ergebnis zu kommen. Das kann aber leicht noch den ganzen April dauern", heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt.

"Die Gespräche werden fortgeführt. Ein Abschluss ist weiter das, was wir wollen. Wir sind optimistisch, dass wir dieses Ziel erreichen werden", sagte ein Sprecher von Debitel auf Anfrage. Ähnlich äußerte sich Freenet: "Es sind gute Gespräche, aber wir haben immer gesagt, dass es auch noch kippen kann", sagte eine Sprecherin.

Freenet hatte Ende März in einer Pflichtmitteilung für die Börse er-klärt, den Mobilfunker Debitel erwerben zu wollen. Die Gespräche mit dem Eigentümer, dem Finanzinvestor Permira, seien weit fortgeschritten. Man müsse nur noch Einigung in wenigen Punkten finden, hieß es damals. Der Plan: Freenet übernimmt Debitel inklusive der Schulden. Im Gegenzug werden die Debitel -Aktionäre, also vor allem Permira, mit 24,9 Prozent an der neuen Gesellschaft beteiligt.

Nach Handelsblatt-Informationen ist unter anderem die Frage der Führung der fusionierten Gesellschaft noch ungeklärt. Debitel -Chef Steil beanspruche die Führung der Mobilfunksparte. Das macht er auch in der internen Mail deutlich. "Wir haben allen am Markt gezeigt, wie erfolgreich wir sowohl mit der aktuellen Struktur der Gruppe als auch mit unserem Geschäftsmodell sind. Deswegen ist unser Ziel, dass wir in dem neuen Konstrukt mit Freenet die Führungsrolle im Mobilfunkgeschäft übernehmen", schreibt Steil.

Das Problem dabei: Nach dem von Freenet -Chef Eckhard Spoerr angestrengten Verkauf der DSL-Sparte wäre der Mobilfunk mehr oder weniger das einzige operative Geschäft des fusionierten Unternehmens. Spoerr hätte also kaum noch operative Verantwortung, früher oder später würde sein Amt in Frage gestellt werden. "Es gibt zwar keinen Führungsstreit bei den Verhandlungen, aber es treffen zwei führungsstarke Manager aufeinander", heißt es in Verhandlungskreisen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum die Transaktion ein enorm wichtiger Schritt für Permira ist.

In Debitel -Kreisen ist zu hören, dass intensiv über die künftige Struktur einer neuen Firma Freenet/Debitel gesprochen werde. "Spoerr und Steil kennen sich noch von früher, als Steil als Berater tätig war. Das könnte bei einer Einigung helfen", heißt es. Der Debitel -Chef habe mit der Mail vor allem auf die Unruhe der Mitarbeiter reagieren wollen, deshalb seien die Formulierungen zurückhaltend. Debitel hatte erst Mitte 2007 den Konkurrenten Talkline übernommen, die Integration ist gerade erst abgeschlossen.

Dennoch gibt sich Steil in der internen Mail auffallend vorsichtig beim Blick auf den Freenet -Deal. "Soweit wir wissen, bevorzugt Freenet eine Lösung mit uns. Nichts destotrotz kann das von uns angedachte Konstrukt noch kippen. Selbst Verhandlungen, die von beiden Seiten mit demselben Ziel geführt werden, können scheitern", schreibt er.

Gleichzeitig dürften alle Beteiligten aber mit Hochdruck an einer Einigung arbeiten. Die Transaktion ist angesichts des Konsolidierungsdrucks im Mobilfunk-Geschäft nicht nur sinnvoll. Ein Zusammengehen mit Freenet wäre für Debitel und nicht zuletzt für Permira auch ein wichtiger Schritt. Permira ist seit 2004 bei Debitel engagiert und denkt seit längerem über einen Ausstieg nach. Doch der zunächst angedachte Börsengang ist angesichts der aktuellen Marktverfassung nicht möglich. Zudem schiebt Debitel immer noch einen Schuldenberg von rund einer Mrd. Euro vor sich her. Das ist für den Mobilfunkmarkt mit seinem ständigen Margendruck eine Belastung.

Debitel ist mit 13 Mill. Kunden der größte Service-Provider im deutschen Mobilfunk. Service-Provider verkaufen Mobilfunkverträge anderer Gesellschaften, betreiben also kein eigenes Netz. Gemeinsam mit Freenet käme das Unternehmen auf rund 19 Mill. Kunden und würde zum drittgrößten Anbieter aufsteigen. Zum Vergleich: Die beiden Marktführer T -Mobile und Vodafone kommen jeweils auf etwa 30 Mill. Kunden.

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