Machtverschiebung bei SAP
Walldorf berichtet an Bangalore

Walldorf ist der Nabel der SAP-Welt. Hier werden die wichtigsten Produkte entwickelt, hier wird über neue Projekte entschieden. Doch es erwächst ein Konkurrenzstandort: Bangalore. Erstmals berichten Entwicklungsmanager aus Deutschland an einen Chef in Indien. In der Heimat wächst die Sorge, auf dem Subkontinent das Selbstbewusstsein.

BANGALORE. Die Wucht und das Tempo, mit denen Weltfirmen ihre Forschung internationalisieren, kann Clas Neumann von seinem Bürofenster aus studieren: Wo unlängst noch Palmenhaine standen, wuchten sich in seinem Blickfeld neue Stahl- und Glasbauten in Bangalores Tropenhimmel. Weil immer mehr Firmen Zugang suchen zu Indiens Talentreservoir und Kostenvorteilen, steht der Campus des Softwareherstellers SAP nicht länger allein auf einer grünen Wiese. „Es hört einfach nicht auf“, kommentiert der Chef von SAP Indien das Heranrücken neuer Entwicklungszentren von Dell bis Caterpillar an seinen Arbeitsplatz.

SAP zählt zu Deutschlands Pionieren bei der gezielten Nutzung von Niedriglohnstandorten. Bangalore ist mit 3 000 Mitarbeitern zum zweitgrößten Entwicklungsstandort nach Walldorf herangewachsen. Aber der rasche Personalaufbau ist nicht die einzige Veränderung. Die Walldorfer sind auch Vorreiter bei der Verlagerung hochwertiger Entwicklungsaufgaben und Steuerungsfunktionen. Ein klassisches System hat für sie ausgedient: das Drehkreuz in der Heimat, um das abhängige Trabanten in fernen Ländern kreisen und der Zentrale zuliefern.

„Das Herz der Entwicklung schlägt nicht mehr ausschließlich in Walldorf“, beschreibt Neumann eine stille Kulturrevolution. Erstmals berichten Entwicklungsmanager in Walldorf an einen Chef in Indien. Neumann leitet ein Team aus Indern, Chinesen und Deutschen. Es ist für die schlüsselfertige Entwicklung eines Teils der neuen Mittelstandssoftware verantwortlich, mit der SAP demnächst an den Markt geht: deren Benutzeroberfläche.

„Das ist die Zukunft“, beschreibt Neumann einen Trend, der Bangalore auch für andere Firmen von einer verlängerten Werkbank zum Hort für Produktinnovation macht. Ein besserer Kostenmix ist dafür nicht der Hauptgrund. „Wenn wir die besten Leute anlocken und motivieren wollen, müssen wir ihnen auch Entscheidungsgewalt abtreten“, erklärt Georg Kniese, der das SAP-Lab leitet. Sonst sei es schwer, Spitzentalente zu halten, die auch in Indien heiß umworben werden.

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