„Magyar Nemzet“ Ungarische Oppositionszeitung stellt Betrieb ein

80 Jahre lang erschien die Zeitung „Magyar Nemzet“ in Ungarn ununterbrochen. Doch nun kann sie ihr Eigentümer nicht mehr finanzieren.
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„Maygar Nemzet“ – der Name lässt sich mit „Ungarische Nation“ übersetzen – erscheint ununterbrochen seit 1938. Damals galt die Zeitung als Flaggschiff des bürgerlichen Journalismus. Quelle: Imago
Magyar Nemzet

„Maygar Nemzet“ – der Name lässt sich mit „Ungarische Nation“ übersetzen – erscheint ununterbrochen seit 1938. Damals galt die Zeitung als Flaggschiff des bürgerlichen Journalismus.

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BudapestDie oppositionelle ungarische Traditionszeitung „Magyar Nemzet“ stellt ihren Betrieb ein. Das Blatt werde an diesem Mittwoch zum letzten Mal erscheinen, teilte der herausgebende Verlag am Dienstag auf der Webseite der Zeitung mit. Als Begründung gab das Medienunternehmen Finanzierungsprobleme an. Zuerst hatte das Portal „index.hu“ über diese Entscheidung berichtet.

„Magyar Nemzet“ gehört dem Oligarchen Lajos Simicska, der früher ein enger Vertrauter des rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban war. Nach dem Zerwürfnis mit seinem ehemaligen Schulfreund Orban im Jahr 2015 ließ Simicska seine Medien, darunter die „Magyar Nemzet“, auf einen regierungskritischen Kurs einschwenken. Im Wahlkampf vor der Parlamentswahl am Sonntag berichtete die Zeitung über massive mutmaßliche Korruptionsfälle im Umfeld Orbans.

Die Fidesz-Partei des Regierungschefs hatte die jüngste Parlamentswahl deutlicher als erwartet gewonnen. In der neuen Volksvertretung wird sie über eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit verfügen. Auf einer Pressekonferenz in Budapest wollte sich Orban am Dienstag nicht näher zur Einstellung der Zeitung äußern. „Bekanntlich beschäftigen wir uns nicht mit geschäftlichen Dingen. Die Eigentümer entscheiden das, wie sie wollen“, sagte er.

„Maygar Nemzet“ - der Name lässt sich mit „Ungarische Nation“ übersetzen - erscheint ununterbrochen seit 1938. Damals galt die Zeitung als Flaggschiff des bürgerlichen Journalismus. Unter die Kontrolle Simicskas geriet sie im Jahr 2000, als Orban erstmals Ministerpräsident war.

Simicska war nach der demokratischen Wende 1989 in den Besitz von Plakatwerbeunternehmen gekommen. Mit den Gewinnen finanzierte er in den 1990er-Jahren die Fidesz-Partei. Er baute ein Unternehmensimperium auf, zu dem auch große Bauunternehmen gehörten. Vor allem unter der zweiten Orban-Regierung von 2010 bis 2014 lebten diese gut von öffentlichen Aufträgen. Dies machte es Simicska möglich, die Verluste einiger seiner Medienunternehmen - damals als Sprachrohre der Orban-Regierung tätig -, abzudecken.

Nach dem Bruch mit dem Regierungschef verloren Simicskas Unternehmen allerdings so gut wie alle öffentlichen Aufträge. Wie am Dienstag weiter bekannt wurde, schließt der Oligarch nun auch den Radiosender Lanchid. Von der Einstellung bedroht ist zudem die Wochenzeitung „Heti Valasz“, wenn sich kein Käufer findet. Der Nachrichten-Fernsehsender Hir TV bleibe hingegen bestehen, hieß es. Die Redaktion müsse aber kräftige Einsparungen hinnehmen.

Die ohne Vorwarnung verfügte Einstellung zwei Tage nach der Parlamentswahl schockierte die Mitarbeiter des Blattes. „Wir fühlen uns wie nach einem Terroranschlag“, sagte der stellvertretende Chefredakteur György Zsombor dem Portal „24.hu“. Zugleich hoffe man, doch noch einen Käufer für das Blatt oder zumindest für das dazugehörige Online-Portal zu finden.

Als potenzieller Investor meldete sich am Dienstag der Grünen-Politiker Peter Ungar. Er wolle noch am selben Tag ein Kaufangebot unterbreiten, sagte er dem Portal „hvg.hu“. Das Präsidiumsmitglied der Oppositionspartei Politik kann anders sein (LMP) ist über eine Erbschaft Miteigentümer eines großen Budapester Immobilienunternehmens. Das Erbe teilt er sich allerdings mit seiner Mutter Maria Schmidt. Die Historikerin ist eine glühende Propagandistin Orbans.

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  • dpa
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