Management
Der Spitze fehlt das Digital-Wissen

Die Top-Gremien in Unternehmen tun sich schwer beim Aufbruch in die neue Welt. Eine Studie zeigt: Selbst viele Dax-Konzerne haben noch keinen Chef-Digitalisierer.
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HannoverDie Vorbereitung auf den digitalen Wandel in Unternehmen erinnert ein wenig an pubertierende Jugendliche, die über Sex reden: Viele reden drüber, kaum einer hat es aber schon getan. Das zumindest legen einige Studien nahe, die zum Auftakt der IT-Messe Cebit erschienen sind. Besonders eine Erkenntnis sticht ins Auge: Mit der Digital-Kompetenz im Vorstand und im Aufsichtsrat ist es nicht so weit hin.

Selbst viele große Konzerne sehen den digitalen Wandel offenbar noch nicht als Chefsache. Nur 50 Prozent der Dax-Unternehmen geben das Thema IT als Verantwortungsbereich eines Vorstands an, wie eine Auswertung der Bonner Unternehmensberatung Comma Management Consulting (CMC) zeigt. Bei den MDax-Mitgliedern sind es nur 40 Prozent.

CMC-Berater Jörg Asma hält die Ernennung eines Chef-Digitalisierers für einen wichtigen Schritt: „Die Digitalisierungsprozesse ziehen sich quer durchs Unternehmen.“ Sie beträfen Produktion, Personalwesen, Marketing und Beschaffung gleichermaßen. Ein Fachmann, etwa der Produktionsvorstand, könne nicht den Überblick behalten, ist Asma überzeugt.

Gleiches gelte für die IT-Sicherheit, die sogar nur vier der Dax- und drei der MDax-Konzerne als separate Vorstandsaufgabe ausweisen. „IT-Sicherheit generiert bei der ersten Betrachtung anscheinend keine Wertschöpfung und verursacht Kosten“, sagt Asma. Das Thema IT-Sicherheit gehöre in den Vorstand, ähnlich wie auch die Compliance.

Thomas Endres, der Vorsitzende des Präsidiums von VOICE, dem Verband der IT-Anwender in Unternehmen, bestätigt die Einschätzung von CMC grundsätzlich. Er sieht aber auch die Kontrollgremien in der Pflicht. Beim Thema Digital-Kompetenz gebe es in deutschen Aufsichtsräten einen Nachholbedarf, sagt Endres: „Ich wünsche mir, dass die Vorstände viel häufiger von ihren Aufsichtsräten die eine oder andere Frage hinsichtlich der Digitalisierung gestellt bekommen – etwa die, wie man auf bestimmte technische Entwicklungen reagieren will, aber auch auf Veränderungen im Markt.“

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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