Manfred Balz, neuer Leiter des Telekom-Ressorts Datenschutz
Obermann drückt seinen Mann durch

Manfred Balz hat bereits für Wirbel gesorgt, als er seinen neuen Job noch gar nicht hatte. Erst gestern Abend berief der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom den Chefjustiziar zum Leiter des neu gegründeten Vorstandsressorts Datenschutz. Vor einer Woche noch hatten sich die Arbeitnehmervertreter nicht mit dem 63-Jährigen anfreunden können, den Konzernchef René Obermann ihnen nach zahlreichen Datenskandalen als neuen Hüter des Datengeheimnisses präsentierte.

DÜSSELDORF. Mit Balz mache Obermann den Bock zum Gärtner, murrten die Mitarbeitervertreter. Balz war als Chefsyndikus sowohl mit der internen Aufklärung der Spitzelaffäre befasst als auch mit der Untersuchung des Diebstahls von 17 Mio. Kundendaten. Beide Fälle wollte die Telekom zunächst vertuschen und reagierte erst umfassend, als der „Spiegel“ über die Fälle berichtete. Viele hätten deshalb lieber einen externen Kandidaten auf dem Job gesehen. Die Telekom argumentiert aber, ein Neuer hätte sich erst monatelang einarbeiten müssen und diese Zeit habe der Konzern angesichts der vielen Skandale nicht.

Balz ist schon seit elf Jahren bei der Telekom. Zuvor arbeitete er unter anderem im Bundesjustizministerium und als Chefjustiziar der Treuhandanstalt. Für ihn spricht seine Erfahrung und die Ruhe, die er auch in heiklen Situationen bewahrt. Diese Besonnenheit könne die überwiegend junge Vorstandstruppe, die Obermann um sich geschart hat, gut gebrauchen, meinen Konzerninsider.

Der gemütliche Jurist, der guten Rotwein liebt, hat aber auch den Ruf, internem Ärger am liebsten aus dem Weg zu gehen. „Sicherlich ist er kein Kandidat für frontale Diskussionen oder Widerstand in Vorstandssitzungen“, heißt es im Konzernumfeld. Kritiker unken deshalb, der Wirbel um seine eigene Person werde wohl der einzige bleiben, den Balz bei der Telekom entfacht.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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