Marc Andreessen
Netscape-Gründer legt Millionenfonds auf

Sein eigenes Startup machte ihn zum Wunderkind des Silicon Valley und zum reichen Mann – jetzt steigt Marc Andreessen, Mitgründer des Browsers Netscape, als Kapitalgeber groß ins Geschäft ein.

HB DÜSSELDORF. In einem neu gegründeten Fonds stellen Marc Andreessen und sein langjähriger Kompagnon Ben Horowitz 300 Mio. Dollar Risikokapital bereit, um junge Unternehmen zu fördern – mitten in der Finanzkrise. Am Montag war der Startschuss.

Zwischen 50 000 und 50 Mio. Dollar will Andreessen Horowitz, so der Name der Firma mit Sitz im kalifornischen Menlo Park, im Einzelfall locker machen. Als Ziele haben sich die Kapitalgeber junge Firmen vorgenommen, die sich im weitesten Sinn mit IT beschäftigen. Besonders Software-Entwickler haben es Andreessen und Horowitz angetan, da diese in der Regel niedrige Entwicklungskosten haben.

„Wir lieben es, in schlechten Zeiten Geld zu akquirieren“, sagte Andreessen in einem Interview. „Es ist toll, Geld zu haben, wenn niemand anders Geld hat“. Mit 300 Mio. Dollar ist die neue Firma laut Finanznachrichtenagentur Bloomberg der drittgrößte Fonds, der dieses Jahr an den Start gegangen ist.

Insgesamt ist der Markt stark rückläufig: Das eingesammelte Venture-Kapital ist im ersten Quartal um 39 Prozent geschrumpft. „300 Mio. Dollar sind ziemlich viel für einen neuen Fonds. Und sie sind gigantisch, wenn man sieht, dass es nur zwei Partner gibt“, schreibt anerkennend das bekannte IT-Blog Techcrunch.

Der Fonds wolle Gründer dazu ermutigen, den Schwerpunkt auf die Produktenwicklung zu setzen – und nicht zunächst nur auf den Profit zu schauen, sagte Andreessen. Als Beispiel nannte er das soziale Netzwerk Facebook, das erst mal seinen Nutzerzahlen gesteigert und das Produkt verbessert und so den Konkurrenten Myspace abgehängt habe. Andreessen ist heute Chairman der Netzwerk-Plattform Ning und sitzt im Aufsichtsrat von Twitter und Ebay.

„Wir setzen darauf, dass wir beide sehr viele Fähigkeiten als Unternehmer und Manager erworben haben“, schreibt Andreessen in seinem Blog. „Wir ziehen unsere Firma so auf wie eine, mit der wir als Jungunternehmer gerne zusammenarbeiten würden.“

Andreessen und Horowitz waren sich bei Netscape begegnet und hatten dann gemeinsam bei der Firma Opsware gearbeitet, die später für 1,6 Mrd. Dollar an Hewlett-Packard verkauft wurde. In den vergangenen Jahren investierte Andreessen in 45 junge IT-Firmen, darunter Twitter, Linkedin, Digg und Jawbone. „Als Venturekapital-Geber kann man ziemlich oft eine Wette eingehen – so lange man ab und zu richtig liegt“, so Andreessen optimistisch. „Der Gewinn daraus wird alle Verluste mehr als ausgleichen“.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik
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