Mario Vargas Llosa
Rowohlt jagt Suhrkamp Nobelpreisträger ab

Nach mehr als drei Jahrzehnten wechselt der aktuelle Nobelpreisträger den Verlag: Mario Vargas Llosas Roman „Der Traum des Kelten“ wird bei Rowohlt erscheinen. Llosa ist schon der dritte bedeutende Autor, der Suhrkamp in Richtung Hamburg verlässt.
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DÜSSELDORF. Die Sensation für den deutschen Literaturmarkt wurde in Madrid ganz nebenbei mitgeteilt, als Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa in der Casa de Americá seinen neuen Roman „Der Traum des Kelten“ („El sueño del celta“) vorstellte. Der Peruaner wird die deutsche Übersetzung seines neuen Romans bei Rowohlt erscheinen lassen. Vargas Llosa kehrt damit nach mehr als drei Jahrzehnten Suhrkamp den Rücken. Er ist nach dem Wechsel von Martin Walser und Daniel Kehlmann bereits der dritte Autor, den Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz an Rowohlt verliert.

In Reinbek bei Hamburg ist bei Rowohlt, einem Tochterunternehmen der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (S. Fischer, Knaur, Kiepenheuer & Witsch), die Freude über den Wechsel groß. Denn der polyglotte Autor, erst vor wenigen Wochen mit der höchsten Auszeichnung des Literaturbetriebs prämiert, ist ein Kassenmagnet. Der Rowohlt-Verlag erzielte 2009 einen Gesamtumsatz in Höhe von 91,6 Mio. Euro. Im Verlagsranking der Publikumsverlage steht der Verlag auf Platz zwei. Nach Unternehmensangaben wird „Der Traum des Kelten“ auf Deutsch im September 2011 erscheinen. In der spanischen Originalfassung ist das Buch bereits im Handel.

Um die deutschen Rechte des neuen Romans gab es offenbar einen harten Bieterwettbewerb, der durch die Agentur von Vargas Llosa initiiert wurde. „Natürlich hätten wir gern sein Buch gehabt. Doch Holtzbrinck hatte mehr geboten“, sagte eine Suhrkamp-Sprecherin. Schließlich verlegte der Berliner Verlag seit 34 Jahren den Peruaner. Derzeit hat Suhrkamp nach eigenen Angaben 26 Bücher von Vargas Llosa im Angebot, darunter Bestseller wie „Das böse Mädchen“ oder „Das Fest des Ziegenbocks“. Zuletzt hatte Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz auf der Frankfurter Buchmesse den Literatur-Nobelpreis für Vargas Llosa gefeiert. „Wir sind alle im Glück“, freute sich die 68-Jährige. Suhrkamp kann Vargas Llosa und den neuen Glanz durch den Nobelpreis gut gebrauchen. Denn die einstige Ikone des deutschen Literaturbetriebs hat an Ansehen und Umsatz in den vergangenen Jahren verloren. Nach Marktforschungen von Media Control belegte Suhrkamp zuletzt nur noch Platz 24 der erlösstärksten Verlage.

Nun ist Alexander Fest, verlegerischer Geschäftsführer von Rowohlt, dafür im Vargas-Llosa-Glück. Nach Verlagsangaben sei es der ausdrückliche Wunsch des Peruaners gewesen, zu Rowohlt zu wechseln.

Der Hamburger Verlag ist ein alter Partner des Nobelpreisträgers. Bereits 1966 erschien sein erstes Werk „Die Stadt und die Hunde“ bei Rowohlt. Zwei Jahre später folgte „Das grüne Haus“, das ihn weltberühmt gemacht hat. Später verlegte Rowohlt noch zwei weitere Bücher. Die Taschenbuchlizenz des „Grünen Hauses“ bekam Suhrkamp damals übrigens von Rowohlt.

Vargas Llosa, der 74-jährige Sohn eines peruanischen Rundfunkjournalisten, vermarktet seit vielen Jahren sein Bücher global. Für seinen neuen Roman hat seine Agentur die Übersetzungsrechte bereits in 22 Länder verkauft.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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