Mark Zuckerberg in Berlin: Leben retten mit dem Facebook-Chef

Mark Zuckerberg in Berlin
Leben retten mit dem Facebook-Chef

Mark Zuckerberg ist auf Promo-Tour in Deutschland. In Berlin möchte er zeigen, dass Facebook mehr als nur ein soziales Netzwerk ist, auf dem Flüchtlinge beschimpft werden. Seine Mission: keine geringere als Leben retten.

BerlinEs ist kalt und vom Himmel fallen dicke Flocken. Trotzdem stehen sie auf der Straße und warten auf ihn, eine Handvoll Journalisten, die Kamera bereit, das Mikrofon in der Hand. Fehlt nur noch der rote Teppich. Doch auf den hat man verzichtet. Natürlich – Mark Zuckerberg ist schließlich kein Popstar. Aber so ganz alltäglich ist es auch nicht, wenn der Facebook-Chef höchstpersönlich durch Berlin tourt und zum angekündigten „Fireside Chat“ geladen hat.

Eine halbe Stunde hat er sich Zeit genommen für das Gespräch in Facebooks schickem „Innovation Hub“, einer Art hauseigener Showbühne der Zukunft. Auf 700 Quadratmetern werden hier noch bis Samstagabend ausgewählte Gäste empfangen und durch Facebooks wunderbare Werbewelt geleitet: An einzelnen Stationen lassen sich die 360-Grad-Brille „Oculus Rift“ ebenso hautnah erleben wie die unbemannte Drohne „Aquila“, die tausenden Menschen weltweit einen Zugang zum Internet bringen soll, und Computer, die Hunderassen anhand von Fotos erkennen. Das alles ist eindrucksvoll aufbereitet und soll vor allem eins zeigen: Facebook kann mehr, Facebook will mehr.

Allen voran Mark Zuckerberg: Im grau-unauffälligen T-Shirt sitzt er vorne auf der Bühne und erzählt, wie sehr er Berlin liebe und dass er am Morgen das erste Mal seit 20 Jahren durch den Schnee gejoggt sei. Auf den Fotos, die er nach seiner Sportrunde bei Facebook hochgeladen hat, ist er in dem gleichen grauen Shirt zu sehen, hinter ihm mehrere Bodyguards.

Im „Innovation Hub“ halten sich die Wachleute dezent im Hintergrund. Auf das Podium hat Zuckerberg lieber Yann LeCun mitgenommen. Der Franzose ist Wissenschaftler und leitet Facebooks Forschungsabteilung für künstliche Intelligenz in Paris. Beim „Fireside Chat“ sprechen die beiden über die unendlichen Möglichkeiten von Virtual Reality, Tischtennis-Matches ohne Tischtennisplatte und vor allem vom Nutzen der Artificial Intelligence. Das Gespräch ist locker-ungezwungen. Doch die Themen werden bewusst platziert. Mark Zuckerberg überlässt nichts dem Zufall.

Und so schwärmen er und LeCun von selbstfahrenden Autos, Spracherkennung in Echtzeit und von Computern, die Tumorzellen besser erkennen als jeder Mensch und deswegen Leben retten werden.

Leben retten – das möchte er, betont Mark Zuckerberg. Facebook werde zwar manchmal dafür gehalten, aber das Unternehmen sei kein Medienhaus und auch keine „Company für Inhalte“, sondern ein Technologie-Konzern mit internationaler Infrastruktur. Und als solcher habe er nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Verpflichtung, die Zukunft ein bisschen besser zu machen.

Nachfragen dazu sind nicht erlaubt. Aber den Journalisten, die neben den anderen geladenen Gästen an der exklusiven Veranstaltung im „Innovation Hub“ teilnehmen dürfen, hat der Facebook-CEO eigens eine Pressemitteilung überreichen lassen. Zwischen Joggingrunde und „Fireside Chat“ hat Zuckerberg sich nämlich noch mit Peter Altmeier, dem Chef des Bundeskanzleramtes, getroffen und öffentlichkeitswirksam angekündigt, in die Forschung im Bereich der künstlichen Intelligenz investieren zu wollen.

In einem ersten Schritt will Facebook dazu ausgewählten Forschungsinstituten in Deutschland und ganz Europa 25 Hochleistungsserver zur Verfügung stellen. Die Technische Universität in Berlin profitiert als erste von Facebooks Engagement: Sie soll vier Großrechner erhalten, um zügiger forschen zu können.

Warum das amerikanische Unternehmen zuvorderst eine deutsche Hochschule unterstützt? Dazu gibt es keine konkrete Aussage. Deutschland und Europa hätten eben eine lange Tradition der Forschung, bleibt Zuckerberg vage. Und doch ist klar, welche Botschaft übermittelt werden soll: Facebook ist mehr als ein soziales Netzwerk, mehr als die kontroversen Diskussionen über Flüchtlinge und Hasskommentare, für die das Unternehmen vor allem aus Deutschland anhaltend kritisiert wird. Deswegen der „Innovation Hub“ mitten in Berlin. Und deswegen der Besuch des Chefs höchstpersönlich.

Auf seiner Facebook-Seite hat der 31-Jährige übrigens einen Livestream vom „Fireside Chat“ online gestellt. Er hat nach wenigen Stunden mehr als 130.000 Kommentare erhalten. Irgendwie hat Zuckerberg also doch etwas von einem Popstar. Auch wenn es bei Facebook keinen roten Teppich gibt.

Tina Halberschmidt, Social-Media-Redakteurin
Tina Halberschmidt
Handelsblatt / Teamleiterin und Redakteurin Social Media
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