Mark Zuckerberg stiftet Milliarden
„In den USA gibt es keine Neidkultur“

Facebook-Gründer Zuckerberg will fast sein ganzes Vermögen spenden. Stiftungsexperte Helmut Anheier erklärt, warum ihm wahrscheinlich weitere Hyper-Milliardäre folgen werden und ob man mit Geld tatsächlich helfen kann.

DüsseldorfHelmut Anheier ist kurz davor ein Flugzeug zu besteigen, das ihn nach Brasilien bringen soll. Der Dekan der Hertie School of Governance ist international gefragter Experte. Als Professor für Soziologie an der Universität Heidelberg hat er das dortige Center for Social Investment mitbegründete und leitet es immer noch als Akademischer Direktor. Seit Jahren befasst er sich mit gemeinnützigen Organisationen weltweit. Angesichts der Ankündigung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg, ein Milliardenvermögen in eine Stiftung zu überschreiben, nimmt er sich trotz des Termindrucks Zeit für Fragen.

Herr Anheier, wie bewerten Sie die Ankündigung von Mark Zuckerberg und seiner Ehefrau Priscilla Chan, 99 Prozent ihrer Facebook-Aktien in eine gemeinnützige Stiftung zu überschreiben?
Es ist eine zu begrüßende Fortsetzung der „Giving Pledge“-Kampagne, die die reichsten Menschen dazu ermuntern will, einen Großteil ihres Reichtums zu spenden. Die Ankündigung von Zuckerberg war so fast zu erwarten. Ich denke, dass sich in den kommenden Jahren noch weitere der Hyper-Milliardäre entsprechend verhalten werden - auch um weiterhin das Wohlwollen des US-Kongresses in der Steuerpolitik zu haben.

Ist diese Form des Spendens Teil der amerikanischen Kultur?
Sie passt sehr gut in die Kultur des Landes und hat seit den Rockefellers und Carnegies Tradition, die ja auch politisch unterstützt wird. Denken wir an die Initiativen der letzten drei Präsidenten, Philanthropie hervorzuheben und zu unterstützen. Es gibt in den USA auch keine „Neidkultur“.

Ist das in Deutschland anders?
In Deutschland ist dies alles weniger spektakulär und Reichtum als auch der Akt des Stiftens selbst wird generell weniger zur Schau gestellt.  Das deutsche Stiftungswesen ist das zweitgrößte der Welt. Aber wir haben weniger richtig große Stiftungen wie etwa die Bill & Melinda Gates Foundation, sondern eher die kleinen, lokalen Stiftungen.

Ist eine Stiftung denn das richtige Mittel um zu helfen?
Ja, aber nur zu bestimmten Zwecken und Bedingungen: als Risikokapital für soziale Unternehmer, um Unabhängigkeit zu gewährleisten oder Interessen zu verwirklichen, die nicht öffentlich finanzierbar sind. Eben um Sachen anzustoßen, die weder Staat noch Markt kümmern.

Inwiefern lässt sich mit Geld überhaupt helfen – und hilft mehr Geld mehr?
Das würde ich anders formulieren: Das gesamte Ausgabenvolumen der Stiftungen ist ein Rundungsfehler zur Finanzkraft des Staates oder auch großer Nicht-Regierungsorganisationen. Stiftungen sollen nur das machen, was weder Staat noch andere Institutionen leisten können oder wollen. Da hilft Geld schon, wenn es als Investition verstanden wird.

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte. Sie erreichen sie unter: karabasz@handelsblatt.com
Ina Karabasz
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen & Märkte
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