Markt ist verunsichert
Rätselraten um Zukunft von Telecom Italia

Nach dem angekündigten Strategiewechsel ranken sich Fragen um die langfristige Zukunft von Telecom Italia. Die Anleger wissen nicht so richtig was sie mit den Ankündigungen anfangen sollen.

HB MAILAND. Das Kontrollgremium von Europas fünftgrößtem Telekommunikationskonzern stimmte am Montag einem drastischen Umbau des Unternehmens zu: Telecom Italia wird in die Bereiche Festnetz und Mobilfunk aufgespalten. Beteiligten zufolge ist dies der erste Schritt, um die Mobilfunksparte TIM abzustoßen, was rund 35 Mrd. Euro in die Kassen des hoch verschuldeten Konzerns spülen könnte. Konzentrieren will sich Telecom Italia künftig auf das Breitband- und Mediengeschäft. Untermauert hat das Unternehmen seinen neuen Weg zugleich durch eine Vereinbarung mit dem Medienunternehmen News Corp, das nun Filme für das Breitband-Fernsehen von Telecom Italia liefert.

„Der Markt ist sehr unsicher, was er mit den gestrigen Ankündigungen anfangen soll“, sagte ein Händler in Mailand. Die Analysten von JP Morgan glauben derzeit nicht, dass die Änderungen den Wert von Telecom Italia steigern könnte. Der Konzern hatte sich die Integration von Mobilfunk und Festnetz auf die Fahnen geschrieben und TIM erst im vergangenen Jahr für viel Geld vom Markt geholt. Mit einer Abspaltung und möglicherweise einem Verkauf würde sich Telecom Italia auch gegen den Trend der Branche stellen, die mit Bündelangeboten auf die Konvergenz von Festnetz und Mobilfunk setzen.

Zwar betonte das Unternehmen am Dienstag, dass es derzeit keine konkrete Absicht habe, seine Mobilfunksparte zu verkaufen. Es sei niemand beauftragt worden, noch habe Telecom Italia Angebote erhalten. Am Markt wird der Verkauf aber erwartet, was einer Abkehr der bisherigen Strategie gleich käme. Telecom-Italia-Chef Marco Tronchetti Provera sagte, er sei „flexibel“ und würde mögliche Angebote bewerten.

Interesse an TIM könnte der Finanzinvestor Carlyle Group haben, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Sonntag. Der Chef von Carlyles italienischem Zweig, Marco de Benedetti, ist ein ehemaliger TIM-Manager. Auch anderen Finanzinvestoren wird Interesse nachgesagt, ebenso wie Konkurrenten wie France Telecom, Telefonica oder Deutsche Telekom. Die Unternehmen wollten die Marktgerüchte nicht kommentieren. Ein Verkauf an ein ausländischen Konzern könnte auch auf politischen Widerstand stoßen, weil TIM das letzte verbliebene eigenständige italienische Mobilfunkunternehmen am Markt ist. Die italienische Regierung zeigte sich am Dienstag über die Aufspaltung besorgt.

„Das Unternehmen verneint, dass die Umstrukturierung wegen finanzieller Probleme erfolgte, aber tatsächlich glaubt ihnen das niemand“, sagte ein Händler in Mailand. Analysten zufolge würde ein Verkauf von TIM Druck von Tronchetti nehmen, der zudem Vorstandschef von Großaktionär Pirelli ist. Pirelli hält 70 Prozent an der Holding Olimpia, die Telecom Italia zu 18 Prozent hält. Weitere 20 Prozent an Olimpia hält die Benetton-Familie. Mit einem Verkauf von TIM und der brasilianischen Mobilfunkgeschäft wäre Telecom Italia seine Schulden mit einem Schlag los und könnte den Aktionären eine ordentliche Dividende zahlen. Die Nettoverschuldung belief sich Ende Juni auf 41,3 Mrd. Euro.

Tronchetti hatte gesagt, dass die Änderungen nichts mit finanziellen Bedürfnissen von Pirelli oder Olimpia zu tun hätten. Die Aufspaltung bringe mehr Transparenz, weniger Beschränkungen und mehr Flexibilität, neue Produkte an den Markt zu bringen.

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