Marktforscher „Windows 8 hat versagt“

Die Entwicklung ist dramatisch: Der PC-Markt ist am Jahresanfang eingebrochen. Einen Grund sehen Marktforscher im neuen Betriebssystem Windows 8 – das habe mit seinem neuen Design die Käufer abgeschreckt.
Update: 11.04.2013 - 07:12 Uhr 56 Kommentare

Windows 8 bremst Computerverkäufe aus

FraminghamDer PC-Markt hat zum Jahresbeginn seinen wohl schlimmsten Einbruch erlebt und schuld daran ist laut Marktforschern auch das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 8. Die Auslieferungen von Notebooks und Desktops seien im ersten Quartal um beinahe 14 Prozent auf 76,3 Millionen Geräte gefallen, ermittelten die Analysten der Firma IDC. Einen schlimmeren Absturz habe es seit Beginn der Datenerhebungen im Jahr 1994 nicht gegeben, erklärten die Marktforscher am Mittwoch.

Der IDC-Konkurrent Gartner veröffentlichte kurz darauf ebenfalls seine Marktzahlen, die einen etwas moderateren Absatzrückgang von 11,2 Prozent auf 79,2 Millionen Personal Computer auswiesen. Zugleich gab Gartner-Analyst Mikako Kitagawa eine düstere Prognose für die PC-Branche ab. Verbraucher verlagerten ihre Computer-Nutzung auf andere Geräte wie Smartphones und Tablets. Nicht einmal in den Entwicklungsländern sei noch ein starkes Wachstum beim Absatz klassischer Notebooks und Desktops zu erwarten.

Eigentlich sollte Windows 8 die Wende bei den dahinschmelzenden PC-Verkäufen bringen. Doch nach Ansicht von IDC machte Microsoft mit seinem neuen Betriebssystem die Situation nur noch schlimmer. „Es scheint klar, dass die Veröffentlichung von Windows 8 nicht nur dahingehend gescheitert ist, den PC-Markt anzukurbeln“, sagte IDC-Analyst Bob O'Donnell. „Es scheint sogar, dass der Markt abgebremst wurde.“

Nach seiner Ansicht könnten sich die Kunden einfach nicht an die Software gewöhnen. Als Gründe führte er die radikal andere Bedienung des Betriebssystems mit seinen bunten Kacheln an sowie den Wegfall des vertrauten Start-Buttons. Zudem seien manche PCs durch den Einbau von berührungsempfindlichen Bildschirmen teurer geworden.

Die Marktforscher zeigten sich vor allem deshalb besorgt über den rapiden Verkaufsrückgang, weil sich die Wirtschaft etwas erholt habe und viele scheinbar attraktive PC-Modelle auf den Markt gekommen seien. „Microsoft muss einige schwere Entscheidungen für die Zukunft treffen, wenn das Unternehmen dabei helfen will, den PC-Markt wiederzubeleben“, sagte O'Donnell.

Bereits seit einiger Zeit verkaufen sich PC schlechter, weil vor allem viele private Nutzer auf eine Neuanschaffung verzichten und stattdessen zu einem Tablet-Computer greifen oder sich mit ihrem Smartphone begnügen. „Die geringeren Auslieferungen an sich waren keine Überraschung, aber die Heftigkeit des Rückgangs“, sagte IDC-Experte David Daoud. Die Branche müsse nun darum kämpfen, „für den Kunden relevant zu bleiben“.

Neben Microsoft bekamen auch einige große PC-Hersteller ihr Fett weg, namentlich Hewlett-Packard und Dell. Bei HP läuft ein groß angelegter Umbau; um Dell tobt eine Übernahmeschlacht. Das habe die Nachfrage von Kundenseite weiter abgeschwächt. Als rühmliche Ausnahme führten die Marktforscher den chinesischen Hersteller Lenovo an, der seine Auslieferungen den Daten zufolge stabil halten konnte.

So sieht Windows 8 aus
start-screen
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Auf dem Startbildschirm von Windows 8 liegen die Kacheln – mit einem Klick oder Fingerzeig starten die Programme. Welche gerade aktiv sind, können Nutzer sich in einer Leiste links anzeigen lassen.

windows store
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Was wäre ein Tablet-Computer ohne Apps? Damit Nutzer sich neue Programme installieren können, hat Microsoft den Windows Store eingerichtet. Bislang ist die Auswahl allerdings noch recht klein.

internet explorer
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Damit sich der Internet Explorer leichter per Touchscreen bedienen lässt, hat Microsoft die Bedienelemente deutlich vergrößert. Oben lassen sich die geöffneten Webseiten anzeigen, unten die aktuelle Adresse.

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Große Bilder, große Überschriften: Die Apps sind extra für Touchscreens angepasst, etwa das Nachrichtenangebot Bing Sport.

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Immer schön im Querformat: Einige Apps nutzen die volle Breite aus, etwa die Wettervorhersage. Eine Vorschau mit Temperatur und Niederschlagsprognose ist bereits in der Kachel auf der Startoberfläche zu sehen.

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Ab in die Cloud: Microsoft hat seinen Online-Speicherdienst SkyDrive mit dem neuen Betriebssystem verzahnt. Nutzer können ganz leicht ihre Dateien ablegen. Sieben Gigabyte Speicher sind kostenlos.

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Der klassische Desktop ist nicht verschwunden – er lässt sich über eine Kachel aufrufen. Allerdings enthält er keinen Start-Knopf. Nutzer müssen sich also in jedem Fall umgewöhnen.

Weltgrößter PC-Hersteller ist demnach aber weiterhin HP ganz knapp vor Lenovo. Hewlett-Packard traf es hart mit einem Absatz-Einbruch von über 23 Prozent. Es folgen Dell, Acer und Asus. Acer erlebte mit rund 30 Prozent den schlimmsten Verkaufseinbruch. Apple kam nur in den USA in die Rangliste der Top 5 – hier widersprechen sich die Marktforscher: IDC sieht einen Absatzrückgang von 7,5 Prozent und Gartner ein Plus in ähnlicher Größenordnung.

Apple hatte mit dem iPad selbst den Umbruch zu Tablets angestoßen. Drei Jahre nach dem Start der ersten iPad-Generation führt der Konzern den Tablet-Markt immer noch an, obwohl das Google-Betriebssystem Android aufholt.

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  • dpa
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56 Kommentare zu "Marktforscher: „Windows 8 hat versagt“"

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  • Genau so sieht es aus. Das mit den bunten Bildchen und dem Rumgefummel auf dem Bildschirm ist eher was für Analphabeten. Die gleiche Entwicklung war beim Microsoft Office-Paket zu beobachten: Immer mehr überflüssiger Schnick-Schnack und tausend bunte Icons. So'n Mist braucht keiner!

  • Hier wäre doch eine großartige Geschäftsidee für eine innovative IT-Firma:
    Bietet doch eine Schnell-Installationssoftware für Windows 8 an, die all den überflüssigen Sche... wie cloud, Spiele, news, store, ... bei der Installation sicher weglässt.
    Ich denke, die Mehrheit der PC-Nutzer will mit dem Ding ARBEITEN (Internet, Email, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, einfache Bildver- und bearbeitung).
    Andere Features sollten nicht durch Auswahl ausgeblendet werden sondern nur nach ausdrücklicher eigener Bestätigung und Auswahl dazuinstalliert werden.

  • Die SSD und Windows 8 töten aktuell den PC Absatz.

    Wer Windows 8 mag, der kann mit einer SSD und Windows 8 seinen 5 Jahre alten Rechner neu aussehen lassen.

    Wer Windows 8 hasst, der kann mit einer SSD Windows XP oder Windows 7 zurück in die Zukunft holen.

    Und SSDs sind noch gar nicht billig. Wartet mal ab, wenn sich jeder SSDs leisten kann. Es dauert daher noch locker 3 Jahre bis der PC Markt einen Umschwung erlebt.

    Vielleicht achten die Hersteller dann auch mal auf Qualität und nicht einfach auf klein, leicht und billig.

  • Wir nutzten zuerst das Windows 98 bis zum Ende, jetzt nutzen wir das XP bis zum bitteren Ende. Beide waren und sind Top, alles dazwischen und danach ist Schnickschnack. Neuer Bedarf kommt aus "überflüssogen" wertverbrennenden Branchen wie Unternehmenberatung, Spiele, Medien und IT.
    Die alte Wirtschaft braucht ein zuverlässiges Arbeitsmittel, nicht mehr und nicht weniger.

  • Microsoft hinkt doch seit 10 Jahren nur noch auf einem Bein, alles verschlafen, null Innovationen!
    Der User wird dauernd von irgendwelchen unnuetzen Features beim Arbeiten gestoert, dauernd redet einem das daemliche Betriebssystem rein wie unmuendigen Kindern. Typisch Ami eben, die viele DAU's haben... ich pfeif drauf und versuche mit XP zu ueberleben, sowie meinem iPad, das darf ich noch selber steuern...

  • Ich nehme KEIN LINUX !!!

    Aber warum schreibe ich hier überhaupt ?????

  • Es gibt 2 Gründe für den schleppenden PC Absatz:
    1. Windows XP ist noch auf 38% aller Computer. Die Unternehmen werden wohl erst in einem Jahr umstellen wenn der Support ausläuft. Das bedeutet nicht dass der PC Absatz dann schnell steigt. Häufig haben Unternehmen, Organisationen und andere nicht auf XP umgestellt weil die Migration anderer Programme aufwendig ist und Risiken birgt. Mit den meisten PCs werden in der Verwaltung Daten eingegeben, mit Office gearbeitet und mit einem ERP System wie SAP. Dafür muss man nicht alle 3 Jahre einen neuen PC kaufen. Zurzeit geht der Trend zu Laptops mit einer Dockingstation am Arbeitsplatz.
    2. Privat User: Diese nutzen weiter ihren alten PC zu Hause, weil er für das Web, Word und Mail ausreicht. Als Zweitgerät werden Tablets oder als PC Ersatz ein größerer Laptop gekauft.

  • DAs beste OS von Microsoft war Windows-XP (32-bit). Einziger Vorteil ab Windows-Vista, Windows7, Windows8 ist, dass es 64-bit Prozessoren unterstützt. Ansonsten ist es nur an der Oberfläche verkompliziert worden, damit der User nicht mehr so leicht damit arbeiten kann und neue MS-Seminare besuchen muss, um es bedienen zu können.

    Die Kacheln von Windows8 sind etwas für Kinder aber nicht für User, die einafch ein stabiles OS haben wollen, wie ein stabiles Fundament eines Hauses. Das tauscht man ja auch nicht alle 4 Jahre aus, oder ??

  • Wissen Sie, ich bin es leid jedesmal die Schalter zu suchen um die Neuerungen abzuschalten, nur um festzustellen, das sie spätestens 2 Versionen weiter nicht mehr abstellbar sind.
    Es kostet einfach zu viel Zeit und Nerven, sich damit auseinaderrzusetzen und dazu habe ich schlicht die Lust verloren.
    Bis XP gab es immerhin merkbare Verbesserungen in Betriebssystem und Office, danach sogar einige Verschlechterungen.

    H.

  • Der PC Markt hat schlicht seinen Zenit überschritten.
    Ich rechne mit schrumpfenden Absatz, weil Smartphones und Tablets für Viele PC überflüssig machen, weil völlig überdimensioniert.
    Als Internet und Kontaktplattform sind diese Geräte viel zielgerichteter. Damit werden PC auf das professionelle und semiprofessionelle Feld vielfach zurückgeworfen.
    Hinzu kommt, das die Produktpolitik Microsofts die qualifizierte Bedienung ständig erschwert, so das die Drittkosten für Endverbraucher ständig steigen für Wartung, Installation, Virenschutz und update Pflege.
    Für den einfachen ahnungslosen Nutzer dagegen sind PC gegenüber Tablets und Smartphones letztlich zu teuer und mit geringerem Mehrwert versehen.

    H.

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