Matthias Kurth reagiert auf Ricke-Interview des Handelsblatts
Reaktion auf Ricke-Interview: Bundesnetzagentur verlangt Öffnung des neuen Netzes

Kaum hat die Telekom ihre Pläne für den Aufbau eines Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetzes konkretisiert, hat der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, sie aufgefordert, das Netz für Wettbewerber zu öffnen.

HB BONN. "Da ist die Telekom am Zuge, mit anderen Marktteilnehmern zu reden, bevor wir uns damit befassen", sagte Kurth in Bonn. Die Telekom will drei Mrd. Euro in den Bau eines Internet-Hochgeschwindigkeitsnetz investieren, mit dem Übertragungsraten von 50facher DSL-Geschwindigkeit möglich sind. Die ersten Städte sollen bereits Mitte kommenden Jahres angeschlossen werden. Details hatte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke im Interview mit dem Handelsblatt genannt.

Kurth plädierte für eine Lösung innerhalb der Branche. "Es wäre gut, wenn die Telekom derartige Pläne mit den Wettbewerbern (...) transparent diskutiert." Einige Konkurrenten hatten den Bau des Netzes kritisiert, da sie Wettbewerbsnachteile befürchten. Vorstandschef Kai-Uwe Ricke drohte bereits mit einer Absage des Projektes. Statt in Deutschland könnte die Telekom das Geld im Ausland investieren, sagte er dem Handelsblatt. Das Projekt ist Teil der Strategie von Ricke, neben Internetzugängen auch Multimediadienste wie Fernsehen anzubieten. Damit will das Bonner Unternehmen die Umsatzerosion im Festnetz aufhalten.

Lesen Sie das Interview mit Kai-Uwe Ricke im Wortlaut: „Wir bleiben die Nummer eins“

Nach dem Start des Glasfasernetzes will die Bundesnetzagentur eine so genannte Marktanalyse machen, um eine Grundlage für die weitere Vorgehensweise zu schaffen. "Wir können nur etwas regulieren, was im Markt sichtbar ist", sagte Kurth. Einen Ausschluss von Wettbewerbern will er offensichtlich nicht akzeptieren: "Den im Markt geäußerten Verdacht, dass hier ein neuer Monopolsektor geschaffen werden soll, sollte die Telekom im eigenen Interesse schnell ausräumen".

Der Behördenchef will der Telekom höhere Gebühren für eine Nutzung des neuen Netzes zubilligen. "Ich habe durchaus Verständnis, dass man für das erheblich höhere Risiko einer solchen Investition einen höheren Ertrag haben will, und dass Wettbewerber auch an diesen höheren Aufwendungen und Risiken entsprechend beteiligt werden."

Kurth verwehrte sich gegen die Kritik einer zu umfangreichen Regulierung des deutschen Telekommunikationssektors, die Ricke gegenüber dem Handelsblatt geäußert hatte. Die Telekom plädiert für eine schwächere Aufsicht, da in einigen Feldern wie bei Ferngesprächen sich die Konkurrenten einen großen Teil des Umsatzkuchens sichern konnten. Kurth hält dem entgegen: "Der einzige Weg, aus der Regulierung entlassen zu werden, ist keine Marktbeherrschung mehr zu haben. Da kommen wir Schritt für Schritt erfreulicherweise voran". In vielen Bereichen verfügt die Telekom nach seinen Worten weiterhin über eine marktbeherschende Position.

Die Bundesnetzagentur prüft sogar eine Ausweitung der Regulierung auf das Mobilfunknetz. "Wir haben auch da eine Untersuchung durchgeführt, die in einem Segment eine Marktbeherrschung zeigte und zwar für Gespräche vom Festnetz in das Mobilfunknetz." Welche Maßnahmen nun ergriffen werden, hänge von der Zustimmung der Europäischen Kommission ab. Diese so genannten Terminierungsentgelte stellen einen wesentlichen Anteil am Umsatz der Mobilfunkanbieter dar. Auf Druck der Behörden wollen die Mobilfunkanbieter T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 die Entgelte die Entgelte Mittte Dezember reduzieren. "Die Terminierungsentgelte werden schrittweise weiter sinken",sagte Kurth.

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