Media-Pionier: Real Networks lässt Unifi sterben

Media-Pionier
Real Networks lässt Unifi sterben

Der Krieg der Web-Speicherdienste fordert sein erstes Opfer. Real Networks stellt seinen Service Unifi nach nicht einmal einem Jahr wieder ein.  Die Konsolidierung im Markt beginnt und betroffen ist auch Deutschland.
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San FranciscoEin schwerer Rückschlag für den Media-Pionier Real Networks („Realplayer“): Der neue Cloud-Dienst war Teil des großen Restrukturierungsplans des angeschlagenen Softwareherstellers aus Seattle von 2010. Mit Unifi lassen sich Musik oder Fotos von mehreren Geräten zentral im Internet speichern und wieder auf PCs, Laptops, Apple Macs, iPhones oder Android Smartphones laden oder abspielen.

Ziel war es, Unifi unter eigener Regie zu betreiben und an Mobilfunkanbieter weltweit zu lizenzieren. Unifi sollte sich als unabhängige Alternative zu Apple (iCloud), Amazon (Cloud Player) oder Google (Google Music) etablieren. Doch das ist jetzt Historie. Bis zum 4. März 2012 müssen die Kunden ihre Daten aus den Webspeichern wieder zurückholen, sonst sind sie verloren.

„Seit dem Start von Unifi hat sich vieles verändert im Markt für Onlinespeicherdienste, und viele Wettbewerber sind in den Markt eingetreten“, heißt es in einer E-Mail an die Nutzer. „Deshalb haben wir uns entschlossen neu zu überlegen, wie wir in Zukunft den besten Cloud Media Service für unsere Kunden anbieten können“. Zu viele Anbieter balgen sich um die Kunden.

Spielverderber ist wieder einmal Google: Den Speicherplatz für 20.000 Lieder gibt es hier kostenlos. Apple und Amazon geben jeweils die ersten fünf Gigabyte Speicher kostenlos ab und berechnen dann zusätzlichen Speicher. Reals Mobilfunkpartner Vodafone, der bislang erste und einzige Mobilfunkpartner, der den Dienst anbietet, verlangt für 70 GB Speicherplatz im Web - genug für rund 17.500 Lieder - 9,99 Euro im Monat.

Der Media-Pionier Real Networks schreibt seit drei fortlaufenden Quartalen Nettoverluste und erwartet auch für das abgelaufene vierte Quartal sinkende Umsätze und Verluste. In den Anfangszeiten der digitalen Musik und des MP3-Formats war Real mit seiner Musikverwaltungs-Software Realplayer einer der führenden Spieler im Markt, 1995 startete Real als erstes Unternehmen eine Streaminglösung für Web-Musik.

Mit dem Aufkommen der geschlossenen Musikplattformen wie iTunes oder Zune von Microsoft verlor der Realplayer immer mehr an Bedeutung. Die marktbeherrschenden iPods und iPhones etwa verlangen zwingend nach der Apple-Software iTunes.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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