Mediaset plant Angebot für Pro Sieben Sat 1
Ein italienisches Angebot

Noch ist unbekannt, wie hoch das Kaufangebot des italienischen Medienkonzern Mediaset für die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 ausfallen wird. So billig wie nach Kirchs Insolvenz ist die Sendergruppe jetzt nicht mehr. Doch was für Haim Saban ein gutes Geschäft werden könnte, bedeutet für die deutschen Zuschauer möglicherweise einen Kulturschock.

HB MAILAND. Der italienische Medienkonzern Mediaset des Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hat Interesse am Kauf des größten deutschen TV-Unternehmens Pro Sieben Sat 1 signalisiert. Das Mailänder Unternehmen werde ein nicht bindendes Kaufangebot vorlegen, teilte Mediaset nach einer Sitzung am Dienstagabend mit. „Der Aufsichtsrat hat heute Kenntnis vom Verkaufsprozess der deutschen Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 genommen und hat sich darauf geeinigt, eine „unverbindliche Interessensbekundung“ zu präsentieren“, hieß es. Jedoch gelte in Zusammenhang mit der Operation strengste Vertraulichkeit.

Die Zeitung „Corriere della Sera“ hatte zuvor berichtet, dass die zum Verkauf stehenden 50,5 Prozent der Anteile bis zu drei Mrd. Euro wert sein könnten. Mediaset habe bereits Kontakt zu mehreren Banken aufgenommen, darunter der zur UniCredit-Gruppe gehörenden Ubm. Die deutsche Senderkette ist bisher mehrheitlich im Besitz einer Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban. Sie hatte Pro Sieben Sat 1 günstig für einige hundert Mill. Euro nach der Insolvenz der KirchGruppe erworben.

Die ProSieben-Mehrheitseigentümer, eine Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban, planen derzeit einen neuen Anlauf zum Verkauf der Sendergruppe. Kreisen zufolge haben sie die Investmentbank Morgan Stanley beauftragt, eine Auktion zu starten. Die Investoren um Saban halten 88 Prozent der Stamm- und 13 Prozent der Vorzugsaktien an ProSiebenSat.1. Ein Verkauf von Pro Sieben Sat 1 an den Axel Springer Verlag war Anfang des Jahres am Widerstand des Kartellamts gescheitert. Als mögliche internationale Bieter für Pro Sieben Sat 1. wurden immer wieder der französische Sender TF1, die Finanzinvestoren Apax, Blackstone, Permira sowie Goldman Sachs ins Gespräch gebracht.

Zur Mediaset-Gruppe gehören unter anderem die drei größten TV- Privatsender Italiens. Der Medienkonzern war bereits 2002 gemeinsam mit dem Australier Rupert Murdoch an einer Übernahme der KirchMedia interessiert, zu der Pro Sieben Sat 1 bis zur Pleite der KirchGruppe gehörte. Die Zeitung „La Stampa“ hatte zuvor berichtet, dass der Deal - falls er über die Bühne geht - in Deutschland für eine „Revolution der Sitten und Gebräuche“ sorgen könnte. Das seichte italienische TV wäre für die Deutschen „ein Kulturschock“, hieß es.

Gleichzeitig gab Mediaset die Bilanz der ersten drei Quartale 2006 bekannt. Demnach stiegen die Umsätze der Gruppe in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 2,602 Mrd. Euro um 2,6 Prozent auf 2,671 Mrd. Euro. Der Nettogewinn ging dagegen von 464,6 Mill. Euro auf 369,1 Mill. Euro zurück.

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