Medien
Britische Presse wird zum Sanierungsfall

Jetzt geht es den britischen Zeitungen an den Kragen. Im angeschlagenen Printmarkt auf der Insel jagt derzeit ein Sanierungsfall den nächsten. Beobachter wundern sich, warum bisher noch keine Zeitung eingestellt wurde. Über die Strukturkrise im Heimatland der freien Presse.

LONDON. Die britische Zeitungsbranche steckt tief in der Strukturkrise. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht über Verkäufe, Sanierungspläne oder gar Blatteinstellungen diskutiert wird. Grund: Die Folgen der Finanzkrise haben den Einbruch der Werbeeinnahmen massiv verschärft. Der Branchendienst Enders Analysis prognostiziert, dass sich die Anzeigenerlöse zwischen 2007 und 2013 halbieren werden.

"Es ist erstaunlich, dass bislang noch kein Blatt eingestellt wurde", sagt Charlie Beckett, Medienwissenschaftler an der London School of Economics. Als möglicher Kandidat für eine Schließung wird seit längerem die Tageszeitung "Independent" gehandelt. "Die Redaktion ist bereits auf ein Rumpfteam zusammengestutzt worden, weitere Kürzungen sind eigentlich unmöglich", meint Experte Beckett.

Trotzdem schreibt der Independent noch immer rote Zahlen. Auf 80 000 Euro pro Tag beziffert Denis O?Brien den Verlust. Der irische Unternehmer ist mit einem Anteil von 26 Prozent zweitgrößter Aktionär der Independent News & Media Gruppe, die die Zeitung herausgibt. Im Mai konnte das Unternehmen eine Anleihe über 200 Mio. Pfund nicht zurückzahlen und verhandelt seither mit den Banken über eine Umschuldung. O?Brien fordert bereits seit längerem einen Verkauf oder die Schließung des "Independent", konnte sich damit aber bislang nicht gegen den größten Aktionär, die Unternehmerfamilie O?Riley, durchsetzen.

Während die Schließung oder der Verkauf des "Independent" viele Briten nicht sonderlich überraschen würde, war die Entrüstung groß, als der Scott Trust, Herausgeber der liberalen Tageszeitung "Guardian", über die Einstellung des traditionsreichen Sonntagsblatts "Observer" diskutierte. Per Internet formierte sich lautstarker Protest. Daher ruderte der Scott Trust erst einmal zurück und kündigte eine Sparrunde und eine engere Verzahnung mit dem "Guardian" an.

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