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Die kreative Branche hat ein Finanzierungsproblem

Oft haben kreative Branchen ein Finanzierungsproblem, sodass es gar nicht erst zur Umsetzung von innovativen Ideen kommt. Förderbanken unterstützen Unternehmen aus Werbung und Kommunikation, dazu haben sie einen Eigenkapitalfonds von 30 Mio. Euro in NRW aufgelegt.

DÜSSELDORF. Ein Tagungsraum in Düsseldorf: Namhafte Vertreter aus den Bereichen Verlag, Musik, Werbung, Kommunikation, Software/Games, Film, TV/Radio, Design, Mode, Kunst/Galerien und Musical/Events diskutieren miteinander. Ihre Gemeinsamkeiten? Sie alle gehören der spätestens seit Richard Florida bekannten und von ihm 2004 erstmals so benannten "Creative Class" an. Sie sind außerdem Mitglieder des Initiativkreises NRW-Kreativwirtschaft. Diese Arbeitsgemeinschaft wurde im Sommer 2008 unter der Schirmherrschaft des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers zur Etablierung eines Netzwerks aus Akteuren der Kreativwirtschaft ins Leben gerufen.

Wirtschaftlich starke Regionen ziehen insbesondere kreative Menschen an - aber auch umgekehrt werden Regionen wirtschaftlich stärker, wenn sie durch ein großes Potenzial an Kreativität bereichert werden. Oft haben aber gerade die kreativen Branchen ein Finanzierungsproblem, sodass es gar nicht erst zur Umsetzung von innovativen Ideen kommt.

Eine von der NRW Bank im Januar 2009 initiierte Marktstudie belegt, dass auf Basis der vorhandenen Stärken am Standort NRW ein beträchtliches Potenzial für Wachstum in den kreativen Branchen besteht. Die Studie zeigt, dass die Zahl der Kultur- und Kreativunternehmen kontinuierlich gestiegen ist und im Jahr 2007 einen neuen Höchststand von 50 300 Unternehmen erreichte. Pro Jahr strömen bis zu 5 000 Unternehmen an den Markt. 212 000 Erwerbstätige sind in der Kultur- und Kreativwirtschaft beschäftigt - das entspricht einem Anteil von 3,3 Prozent an der Gesamtwirtschaft. Bezieht man die Anzahl der geringfügig Beschäftigen mit ein, dann arbeiten in der Kreativwirtschaft zusätzlich nochmals etwa 243 000 Menschen. Auch in Bezug auf ihre Umsatzvolumina ist die Kreativwirtschaft mit mehr als 35 Mrd. Euro von großer Bedeutung.

Vielfach reicht aber Kreativität allein nicht aus. Unternehmen der Kreativwirtschaft haben oft zu wenig Eigenkapital. Das liegt zum einen an den für die Branche typischen kleinteiligen Unternehmensstrukturen, die bislang häufig keinen Zugang zum Kapitalmarkt gewähren. Zum anderen sind Banken teilweise zurückhaltend bei Finanzierungsanfragen. Das ist auf Schwierigkeiten der ökonomischen Bewertung von kreativen Inhalten und Marktchancen zurückzuführen. Vor diesem Hintergrund gehen Förderbanken nun dazu über, die Kreativwirtschaft zu unterstützen. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise existiert jetzt ein Eigenkapitalfonds für kreative Unternehmen. Der so genannte Kreativwirtschaftsfonds verfügt über Mittel in Höhe von 30 Mio. Euro. Angeboten werden direkte Beteiligungen an Unternehmen (bis zu 49 Prozent) und eigenkapitalnahe Finanzierungen wie stille Beteiligungen (Mezzanine-Kapital). Fördervoraussetzungen sind ein schlüssiges Unternehmenskonzept, ein Alleinstellungsmerkmal sowie Wachstumsperspektiven.

Ernst Gerlach ist Vorstand der NRW.Bank.

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