Medien
Gruner + Jahr auf Sparkurs

Europas größter Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr plant einschneidende Veränderungen. Wegen des schwierigen Anzeigengeschäfts erwartet der Vorstand finanzielle Zugeständnisse – auch von Seiten der Mitarbeiter. Wie das Unternehmen um seine finanzielle Zukunft kämpft.

DÜSSELDORF. Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr will mit einschneidenden Maßnahmen einem drohenden Umsatz- und Gewinneinbruch entgegenwirken. Um die Krise der Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann zu meistern, haben der Aufsichtsrat und Konzernbetriebsratschef Bernd Köhler ein Darlehen der Mitarbeiter vorgeschlagen.

„Die Arbeitnehmervertreter könnten sich einen Beitrag in der Weise vorstellen, dass Mittel, die von ihnen zu Verfügung gestellt, in die Zukunft des Konzerns investiert werden“, schreibt Köhler in einem internen Informationspapier, das dem Handelsblatt vorliegt. „Dabei ist sicherzustellen, dass die Belastung der Mitarbeiter in Grenzen gehalten wird und eine befristete Maßnahme darstellt.“

Derzeit laufen die internen Gespräche auf Hochtouren, wie Gruner + Jahr die Anzeigenflaute bewältigen kann. Nach Angaben Köhlers wird auch für einen Teil der Mitarbeiter Kurzarbeit geprüft. Ein Gruner-Sprecher wollte gestern diese Option nicht ausschließen: „Es gibt aktuell keine konkreten Pläne oder Beschlüsse“, sagt er. Gleichwohl prüfe man das Thema „prinzipiell und ergebnisoffen“. Entschieden ist aber offenbar nichts. Konzernchef Bernd Buchholz bemüht sich derzeit um einen konstruktiven Dialog.

Der Medienkonzern Axel Springer hat sich im Fall seiner Wirtschaftspresse („Euro am Sonntag) in München bereits im Frühjahr für Kurzarbeit entschieden. Der Hamburger Jahreszeiten-Verlag („Petra“, Merian“) verhandelt nach Angaben von Insidern derzeit über Kurzarbeit.

Gruner + Jahr ist eines der größten Sorgenkinder im Bertelsmann-Konzern. Im vergangenen Jahr sank der Umsatz um 2,2 Prozent auf 2,77 Mrd. Euro. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging sogar um knapp 15 Prozent auf 225 Mio. Euro zurück. Nach Informationen des „Hamburger Abendblatts“ beschleunigt sich der Abwärtstrend. Demnach sollen die Erlöse unter 2,5 Mrd. Euro liegen. Das operative Ebit soll sich nur noch zwischen 130 und 160 Mio. Euro bewegen. Gruner + Jahr beschäftigt 15 000 Mitarbeiter, davon annähernd 4000 in Deutschland. 74,9 Prozent der Anteile gehören Bertelsmann. 25,1 Prozent hält die Unternehmerfamilie Jahr.

Vorstand und Arbeitnehmervertreter haben sich in der vergangenen Woche getroffen, um über eine Lösung der schwersten Unternehmenskrise seit Jahrzehnten zu diskutieren. Das Gespräch mit dem Finanz- und Personalvorstand Achim Twardy hat nach Angaben von Teilnehmern in einer sachlichen Atmosphäre stattgefunden. Die Konzernführung erwarte finanzielle Zugeständnisse der Belegschaft. Ziel der Arbeitsnehmervertreter ist es wiederum, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Ein Abbau von Stellen scheint nach Meinung von Unternehmensinsidern aber unvermeidbar.

Mit seinen Problemen ist Gruner + Jahr nicht allein. Die gesamte Zeitschriftenbranche leidet unter wegbrechenden Werbeeinnahmen seit Ausbruch der Wirtschaftskrise. Der Medienkonzern Burda („Focus“, „Bunte“) reagiert mit einem harten Sparkurs sowie dem Ausbau des Digital- und Auslandsgeschäfts. „Wir bauen in allen Bereichen, in denen es wirtschaftlich notwendig ist, mit Augenmaß Personal ab“, sagte Paul-Bernhard Kallen, Vorstand für Technologie, Finanzen und Ausland, zuletzt. „Wir müssen uns auf mehrere Jahre rückläufiger Konjunktur einstellen.“

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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