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Pro Sieben Sat 1 rechnet mit langer Flaute

Deutschlands größte private Senderkette stellt sich auf weiterhin magere Zeiten ein. Die Werbeerlöse würden frühestens 2011 wieder steigen, warnt Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat 1. Deshalb werde die TV-Gruppe ihren strikten Sparkurs weiter vorantreiben.

MÜNCHEN. Der Manager geht davon aus, dass in Deutschland dieses Jahr zwischen 12 und 16 Prozent weniger Geld in TV-Werbung fließen wird als vergangenes Jahr. Konkurrent RTL erwartet einen ähnlichen Rückgang. Im Ausland sieht es laut Ebeling zum Teil noch viel düsterer aus, in Osteuropa würden die Ausgaben für Fernsehreklame um bis zu 40 Prozent zurückgehen.

Pro Sieben Sat 1 bleibt angesichts dieses miserablen Umfelds gar nichts anderes übrig als die Kosten massiv zu senken. Fallen die Zahlen zu schlecht aus und die Kreditvereinbarungen werden gebrochen, droht Ärger mit den Banken. Das kann sich der Konzern nicht leisten, denn die Münchener drückt eine Netto-Verschuldung von rund 3,4 Mrd. Euro.

Zwei Kredite über jeweils 1,8 Mrd. Euro müssen in den Jahren 2014 und 2015 zurückgezahlt werden. Bis dahin gilt es, die Kasse möglichst gut zu füllen, denn der Konzern tilgt derzeit keinen Cent und zahlt lediglich die Zinsen. Doch schon diese schlagen mit 270 Mio. Euro im Jahr zu Buche. Die liquiden Mittel betrugen zum Ende des zweiten Quartals knapp 600 Mio. Euro. Nach Angaben von Finanzvorstand Axel Salzmann besteht in absehbarer Zeit keine Gefahr, dass Pro Sieben Sat 1 die Verträge mit den Instituten nicht einhalten kann.

Angesichts der angespannten Lage auf dem Werbemarkt ist bei Pro Sieben Sat 1 in den vergangenen Monaten kein Stein auf dem anderen geblieben. Nach dem Amtsantritt von Ebeling dieses Frühjahr haben zahlreiche Top-Manager die Firma verlassen. Der Sender Sat 1 ist gleichzeitig von Berlin nach München umgezogen, um die Zusammenarbeit mit Pro Sieben und Kabel 1 zu verbessern. Weil viele Beschäftigte von der Spree nicht mit an die Isar gehen wollten, sank die Zahl der Mitarbeiter im zweiten Quartal um 160 auf 5 300. Im Vergleich zum Vorjahr stehen nun sogar 600 Angestellte weniger auf den Gehaltslisten. Insgesamt sind die operativen Kosten im abgelaufenen Quartal um 18 Prozent auf knapp 500 Mio. Euro gesunken. Zum Vergleich: Der Konzernumsatz ging nur um neun Prozent auf 694 Mio. Euro zurück. Unterm Strich erzielte Pro Sieben Sat 1 einen Gewinn von 45,5 Mio. Euro gegenüber 59,5 Mio. ein Jahr zuvor.

Das Bankhaus Lampe bemängelte in einer Studie gestern vor allem die schwache Umsatzentwicklung und die eher schlechten Aussichten für das Unternehmen. Allerdings ist das mit Abstand größte Problem hausgemacht. Die hohe Verschuldung stammt aus der Übernahme der Sendergruppe SBS. Das TV-Konglomerat mussten die Münchener vor zwei Jahren auf Veranlassung ihrer Mehrheitseigentümer KKR und Permira übernehmen. Den Finanzinvestoren gehörte auch SBS.

Die Börse reagierte gestern verschnupft auf die Quartalszahlen. Mit einem Minus von mehr als fünf Prozent auf etwa fünf Euro war die Aktie mit Abstand größter Verlierer im MDax. Wie es bei der Konkurrenz aussieht, wird sich Ende August zeigen, wenn die RTL Group ihre Zahlen veröffentlicht.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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