Medien
Sky verliert wegen Umbenennung Millionen

Es kam, wie es kommen musste: Durch die Umbenennung von Premiere in Sky hat der Bezahlsender im zweiten Quartal viel Geld verloren. Aber immerhin fiel der Verlust nicht dreistellig aus. Zudem hat Sky einen Großaktionär, der an das Unternehmen glaubt.

DÜSSELDORF. Mit Zahlen hat der Bezahlsender Sky (offiziell noch Premiere AG) traditionell Probleme. Bei der Vorlage seiner Quartalszahlen hat sich die Fernsehtochter des amerikanischen Medienkonzerns News Corp. gestern erneut verrechnet: Statt 2,364 Millionen Abonnenten meldete der Sender des Medien-Tycoons aus Versehen 270 000 mehr. Der Irrtum war schnell aufgeklärt. Übrig blieben die korrekten Zahlen des abgelaufenen Quartals, und die fielen erwartungsgemäß miserabel aus.

Sky schreibt tiefrote Zahlen. Im zweiten Quartal verbuchte der Quasi-Monopolist einen Verlust von knapp 366 Mio. Euro. Verantwortlich dafür waren die Abschreibung von knapp 254 Mio. auf die aufgegebene Marke Premiere.

Doch auch ohne Sondereffekte enttäuschte das Unterföhringer Medienunternehmen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um 75 Mio. Euro auf minus 63,4 Mio. Euro. Die Erlöse gingen um 8,5 Prozent auf 230,6 Mio. Euro zurück. Im Vorjahreszeitraum waren es 252,1 Mio. Euro.

Die Börse reagierte negativ auf die schlechten Zahlen. Die ohnehin niedrig bewertete Aktie sank um knapp 2,5 Prozent auf 3,56 Euro. Zum Vergleich: das 52-Wochen-Hoch liegt bei 12,81 Euro. Unicredit empfiehlt, die Aktie zu verkaufen.

Vorstandschef Mark Williams versuchte gestern bei der Vorlage der Quartalsbilanz, gute Stimmung zu machen. Er lobte nochmals ausdrücklich die Umbenennung Anfang Juli und die Werbekampagne. „Die Reaktionen waren sehr positiv“, sagte der australische Fernsehmanager. Von Analysten und Anleger wird nun mit Spannung das dritte Quartal erwartet. Dann lässt sich ablesen, ob die Kampagne auch bei den Kunden gezündet hat.

Williams versprach gestern das Erreichen der Gewinnzone im vierten Quartal 2010 auf monatlicher Basis. Zu diesem Zeitpunkt soll Sky zwischen drei und 3,2 Millionen Abonnenten zählen, kündigte der Vorstandschef an. Im Jahr 2011 soll Sky profitabel sein. Von seinen Ziel ist Williams aber noch meilenweit entfernt. In den vergangenen drei Monaten sank der die Kundenzahl sogar um 7 000 auf 2,364 Millionen. In der Fernsehbranche wachsen die Befürchtungen, Murdoch und sein Managementteam könnten mit der Sanierung scheitern. „Bezahlfernsehen hat eine Zukunft, aber Sky nicht unbedingt“, prognostiziert ein langjähriger Geschäftspartner in München. Ein erfahrener Medienanalyst sagte: „Mich hat erstaunt, wie betont optimistisch sich das Management gibt.“

Auch Murdochs Geduld sei begrenzt, vermuten Marktteilnehmer. Die Rezession trifft auch den Sky-Mutterkonzern schwer. Im abgelaufenen Quartal verbuchte News Corp. einen Verlust von 203 Mio. Dollar . Im Vorjahreszeitraum hatte es noch ein Plus von 1,3 Mrd. Dollar gegeben. Gründe für die schwachen Zahlen sind Abschreibungen auf Internetprojekte und sinkende Werbeeinnahmen.

Zweifel an seinem Engagement in Deutschland versuchte Murdoch zuletzt durch weitere Aktienzukäufe zu zerstreuen. Der Medientycoon erhöhte seine Beteiligung an Sky auf 39,96 Prozent. Zuvor hielt er 30,5 Prozent. Nach Branchenschätzungen zahlte News Corp. für die Aufstockung rund 140 Mio. Euro.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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