Medien
Springer übernimmt die Marktführerschaft in Polen

Mit der Herausgabe von „Dziennik“, zu Deutsch „Tageszeitung“, hat sich der Berliner Axel-Springer-Konzern als führender Zeitungsverleger in Polen positioniert. Der neue Meinungsführer sorgt für Nervosität bei den etablierten Medien.

WARSCHAU. Das seit dem 18. April erscheinende Blatt hält zusammen mit dem ebenfalls von Springer seit gut zwei Jahren verlegten Boulevard-Titel „Fakt“ einen Marktanteil von 44 Prozent bei nationalen Tageszeitungen. „Wir sind sehr zufrieden, weil sich Dziennik auf Anhieb als drittgrößte Tageszeitung etablieren konnte“, sagte Florian Fels, Chef von Axel Springer Polska. „Dziennik“ liegt bei einer verkauften Tagesauflage von 250 000, während „Fakt“ als Marktführer auf 512 000 kommt.

Die neue Konkurrenz sorgt für Nervosität in der Chefetage des polnischen Medienhauses Agora. „Dort sucht man eine neue Strategie“, sagt Andrzej Szymanski, Analyst der Bank Zachodni WBK. Agora verlegt seit 1989 die „Gazeta Wyborcza“, die mit einer Auflage von 470 000 und einem Marktanteil von 26 Prozent an zweiter Stelle steht. Springers Angriff hat auch das Boulevardblatt „Super Express“ in Schwierigkeiten gebracht, dessen Auflage sich seit 2002 fast halbiert hat und jetzt bei 195 000 liegt. Fünfter im Bund ist „Rzeczpospolita“ mit 160 000 Exemplaren, die aber im Gegensatz zu den anderen Tageszeitungen hauptsächlich per Abonnement vertrieben wird.

Springer Polska punktet mit politischer Unabhängigkeit: „Hinter uns steht kein Palast“ lautet ein Werbeslogan des „Dziennik“. Die Zeitung fühlt sich keinem politischen Lager zugehörig, anders als die linksliberale „Gazeta Wyborcza“ und die konservative „Rzeczpospolita“. „Dziennik“ bemüht sich täglich, möglichst viele Politiker, führende Wissenschaftler und Publizisten in Interviews, Gastbeiträgen und mit kurzen Statements zu Wort kommen zu lassen.

Die Konkurrenz durch Springer schlägt sich in der ökonomischen Entwicklung bei Agora nieder. Trotz hoher Auflage und enormer Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft erzielte die Gruppe im ersten Quartal 2006 keinen Nettoertrag, während dieser im Vorjahreszeitraum noch 43,5 Mill. Zloty (10,7 Mill. Euro) betragen hatte. Im November hatte Agora als Reaktion auf „Fakt“ die Boulevard-Zeitung „Nowy Dzien“ gegründet, diese aber bald wieder vom Markt genommen. Vorstandschefin Wanda Rapaczynska räumt ein: „Die hohen Kosten für Nowy Dzien und die enormen Werbeausgaben haben zu diesem Ergebnis geführt.“

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