Medien
Springer und Bauer kaufen Schweizer Programmzeitschriften

Die deutschen Verlage Axel Springer und Heinrich Bauer bauen ihr Geschäft mit Fernsehzeitschriften aus. Der Schweizer Ringier-Verlag verkauft Springer seine deutschsprachigen TV-Blätter, Bauer übernimmt die in Osteuropa. Springer rückt damit zu den führenden Medienhäusern in der Schweiz auf.

HB BERLIN. Zum 1. Juli übernehme die zu Springer gehörende Züricher Firma Jean Frey die Zeitschriften „Tele“, „TV4“ und „TV2“ von Ringier, teilten beide Unternehmen in Berlin und Zürich mit. Der Erwerb stehe unter Vorbehalt der Zustimmung des deutschen Bundeskartellamts.

Ringier kündigte gleichzeitig den Verkauf aller ausländischen TV-Titel an den Heinrich Bauer Verlag an. Grund seien „strategische Überlegungen“. Nur noch große Anbieter könnten auf Grund der zunehmenden Industrialisierung und der elektronischen Konkurrenz in diesem Geschäft eine führende Rolle spielen.

Die Zeitschriften „Tele“ sowie „TV vier“ und „TV2“ erscheinen ab 1. Juli bei Axel Springer. Die 27 Mitarbeiter werden vom Verlag übernommen. Die Ringier-Titel in Rumänien, in der Slowakei und in Tschechien gehen an den Heinrich Bauer Verlag. Vom Verkauf nicht betroffen sind die TV-Beilagen in den Ringier-Zeitungen und -Zeitschriften.

Axel Springer gibt nun fünf TV-Zeitschriften in der Schweiz heruas: die Wochenzeitschrift „Tele“ (Auflage: 171 893), den Monatstitel „TV4“ (59 473), das 14-tägliche Magazin „TV2“ (75 000), die schon bei Jean Frey erscheinende wöchentliche „TV Star“ (169 475) sowie die Landes-Ausgabe von „TV Digital“ (15 000). „Tele“ und „TV Star“ sind die größten Abo-Titel unter den Schweizer Programmzeitschriften. „Für Springer hat eine Expansion in der Schweiz Sinn“, sagte Analyst Michael Schatzschneider von der Commerzbank.

„Mit diesem Zukauf können wir unsere Marktposition in der Schweiz noch einmal signifikant ausbauen“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung von Jean Frey und der Handelszeitungs-Gruppe, Ralph Büchi. Springer hatte 1999 die Verlagsgruppe Handelszeitung und 2007 Jean Frey übernommen. Mit der „Handelszeitung“, „Bilanz“, „Stocks“ sowie mehreren Fachzeitschriften ist der deutsche Verlag auch ein führender Anbieter von Wirtschaftstiteln. Außerdem besitzt das Medienhaus mit dem „Beobachter“ (Auflage: 315 000) die größte Publikums- und Beratungszeitschrift der Schweiz. Insgesamt publiziert Axel Springer in der Schweiz 14 Titel.

Ringier ist das größte Schweizer Medienunternehmen. Es gibt unter anderem die Boulevardzeitungen „Blick“ und „Sonntagsblick“ sowie mehrere Zeitschriften heraus und ist in den elektronischen Medien aktiv. In Deutschland verlegt Ringier das Monatsmagazin „Cicero“ und die Kunstzeitschrift „Monopol“. Das Schweizer Verlagshaus steht allerdings auf seinem Heimatmarkt unter Druck. Es ist dort dabei, seine Führungsposition an die Tamedia-Gruppe zu verlieren.

Kürzlich hatte der Schweizer Verleger bereits die Abonnenten der Wirtschaftszeitung "Cash" an Springer verkauft. Ringier wird die Schweizer Wirtschaftszeitung Ende Juni einstellen. Das Multimediaprojekt "Cashdaily", ein Partner des Handelsblatts, soll dagegen weiter ausgebaut werden. Zu dem Projekt gehören Fernsehen im Internet, ein so genanntes Livepaper sowie Audio- und Videoübertragungen.

Springer-Chef Mathias Döpfner und Verleger Michael Ringier kennen sich gut. Bereits vor fünf Jahren hatte Ringier mit Döpfner und der Mehrheitsgesellschafterin Friede Springer intensiv über eine Fusion der beiden Konzerne verhandelt. Ringier brach diese Gespräche allerdings ab: Der Wunsch nach Selbstständigkeit sei im Endeffekt stärker gewesen als die an sich faszinierende Vision einer verbundenen Verlagsgemeinschaft, teilte er damals mit.

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