Medien
TV-Produzent Fremantle lässt die Krise kalt

Die Krise auf allen wichtigen Fernsehmärken bringt den Expansionskurs von Fremantle Media nicht ins Wanken. Der weltgrößte Fernsehproduzent will die Rezession nun sogar für Zukäufe nutzen. TV-Produzenten sind derzeit angesichts der schwierigen Marktlage vergleichsweise preiswert zu haben.

CANNES. Die Krise auf allen wichtigen Fernsehmärken bringt den Expansionskurs von Fremantle Media nicht ins Wanken. Der weltgrößte Fernsehproduzent will die Rezession nun sogar für Zukäufe nutzen. "Wir werden weiter Ausschau nach lukrativen Zukäufen halten", sagte Vorstandschef Tony Cohen auf der Film- und Fernsehmesse MipTV in Cannes. TV-Produzenten sind derzeit angesichts der schwierigen Marktlage vergleichsweise preiswert zu haben.

Auch von einem Zusammenstreichen von Neuproduktionen hält der weltweite Branchenführer nichts. Im Gegenteil: Die Tochter der Fernsehgruppe RTL will ihre Marktführerschaft in der Rezession stärken. "Fremantle Media wird die Investitionen in Neuentwicklung, in innovative Inhalten und kreative Partnerschaften ausbauen", kündigte der langjährige Vorstandschef Cohen an.

Erst Ende Februar hatte die Produktionstochter des Medienkonzerns Bertelsmann 75 Prozent der amerikanischen Filmfirma Original Productions erworben und ist damit Eigentümer von Fernsehformaten wie der erfolgreichen Dokumentation "Ax Men" (Holzfäller). Mit diesem Zukauf will sich Fremantle vor allem im lukrativen US-Markt zulegen. Der Preis soll nach Branchenangaben 50 Mio. Dollar betragen haben. Fremantle äußerte sich dazu nicht.

Der gelernte Zeitungsjournalist Cohen lässt sich von der pessimistischen Stimmung in Cannes nicht anstecken. "Trotz des gegenwärtigen Klimas in der Wirtschaft und der Herausforderungen, denen Fernsehsender gegenüber stehen, will das Publikum weiter unterhalten werden", bilanzierte Cohen gestern trocken. "Die Fernsehzuschauerschaft für unsere Programme rund um die Welt wächst." Das gehe auch aus internen Studien hervor. Gerade in Krisenzeiten vertrauten die Zuschauer starken und kreativen Unterhaltungsmarken.

 

Cohens Optimismus teilen aber nicht längst alle Senderchefs und Produzenten, denn gerade in Zeiten rückläufiger Umsätze setzen die Sender beim Programm den Rotstift an. "Wir sparen am Programm und verschieben zum Teil Aufträge in das nächste Jahr", sagte Claude Schmit, Chef des Sender Super RTL, gestern. "Der Markt ist für uns eine Nagelprobe." Auch angestaubte Serien und Filme aus dem Archiv wieder hervor zu holen ist offenbar Teil des neuen Sparkurses. "Die Wiederholungsquote bei den Sendern steigt durch die Rezession", berichtet Martin Husmann von der Münchener Produktionsfirma Blue Eyes ("Die Burg", "Entzug - Du lebst nur einmal").

Fremantle, wozu in Deutschland die Filmfirmen Ufa ("Gute Zeiten, schlechte Zeiten", "Deutschland sucht den Superstar") und Teamworx ("Dresden", "Sturmflut") gehören, agiert aus einer Position der Stärke. Das Unternehmen hat nicht zuletzt wegen des starken US-Geschäfts 2008 das beste Jahr seiner Geschichte hingelegt. Der Konzern steigerte den Umsatz auf 1,20 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,12 Mrd.). Der operative Gewinn (Ebita) stieg um 18 Prozent auf 155 Mio. Euro. Für die Gesamtstrategie von RTL spielt der Produktionskonzern eine Schlüsselrolle, denn die Produktionstochter macht den Mutterkonzern in Luxemburg gerade in Krisenzeiten unabhängiger vom ausgesprochen schwierigen Werbemarkt.

Im vergangenen Jahr stellte der Konzern mit starkem Geschäft in den USA, Großbritannien und Deutschland weltweit 10 000 Stunden neues Programm her. Mit der Musiktalentshow "American Idol" auf Fox, einem Sender des Medienmoguls Rupert Murdoch, liefert Fremantle die erfolgreichste Unterhaltungssendung in Amerika. "Idol" - in Deutschland als "Deutschland sucht den Superstar" bekannt - wurde bereits in 42 Länder verkauft. Das Format "Hole in the Wall" wurde bis Jahresende in 32 Ländern und die Unterhaltungsshow "Got Talent" in 28 Staaten produziert. Auch mit fiktionalen Programmen kommt der in London beheimatete Konzern gut voran. Das englische Drama "Merlin" wurde an 50 Sender verkauft, darunter auch an das US-Sendernetz NBC.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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