Medienbericht
Lenovo soll an Blackberry interessiert sein

Der chinesische PC-Hersteller Lenovo prüft laut Medienberichten die Bücher des angeschlagenen Smartphone-Pioniers Blackberry. Ein solcher Übernahmeversuch müsste mit dem Widerstand der kanadischen Regierung rechnen.
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TorontoDer weltgrößte PC-Hersteller Lenovo prüft laut einem Zeitungsbericht ein Gebot für den notleidenden Smartphone-Pionier Blackberry. Lenovo habe sich Einblick in die Blackberry-Bücher gesichert, berichtete das „Wall Street Journal“ am späten Donnerstag unter Berufung auf informierte Personen.

Es ist nicht das erste Gerücht dieser Art. Der PC-Hersteller Lenovo prescht gerade aktiv ins Smartphone-Geschäft vor, die Erfahrung, die Kunden und der Patentschatz von Blackberry könnten da hilfreich sein. Mehrere Lenovo-Manager hatten bisher auf direkte Nachfrage ausweichend gesagt, das Unternehmen sehe sich ständig nach Möglichkeiten um.

Ein chinesischer Konzern wie Lenovo als Blackberry-Käufer würde brisante Fragen aufwerfen und wahrscheinlich ausgiebige Überprüfungen durchlaufen müssen. Denn Geräte und Dienste des Unternehmens werden nach wie vor für die vertrauliche Kommunikation vieler US-Behörden eingesetzt, zum Beispiel im Verteidigungsministerium. Auch Präsident Barack Obama ist Blackberry-Kunde. In den USA gibt es seit Jahren Vorwürfe, chinesische Netzausrüster wie Huawei kooperierten mit den Geheimdiensten ihres Landes. Die Unternehmen aus China weisen dies zurück.

Blackberry hatte sich nach massiven Verlusten von Marktanteilen im August zum Verkauf gestellt. Mit der kanadischen Finanzholding Fairfax gibt es bereits einen vorläufigen Deal für 4,7 Milliarden Dollar, zuletzt nahmen aber Zweifel an der Finanzierung zu. Außerdem will der Mitgründer und frühere Co-Chef Michael Lazaridis ein Übernahmeangebot auf die Beine stellen. Angeblich soll auch der Finanzinvestor Cerberus interessiert sein. Rivalen aus der Technologie-Branche hatten nach Medienberichten bisher nur Interesse an Teilen des Unternehmens.

Blackberry kämpft derzeit ums Überleben. Der Smartphone-Pionier schrieb im vergangenen Quartal nach fortlaufenden Absatzproblemen fast eine Milliarde Dollar Verlust. Nun sollen rund 40 Prozent der Belegschaft gehen. Der aus Deutschland stammende Konzernchef Thorsten Heins will die operativen Kosten halbieren.

Lenovo war mit dem Kauf der PC-Sparte von IBM 2005 in die Spitzenliga der Branche vorgestoßen. Vor einigen Monaten überholte das Unternehmen die langjährige Nummer eins Hewlett-Packard. Beim Vorstoß ins Mobilgeschäft sollen voraussichtlich im kommenden Jahr Lenovo-Smartphones auch Westeuropa erreichen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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