Medienbericht
Telekom entkommt US-Schnüffelei

Einem Zeitungsbericht zufolge sind die Kunden von zwei großen US-Mobilfunkern zumindest keiner direkten Beobachtung ihrer Gesprächsdaten durch den US-Geheimdienst ausgesetzt. Grund: die ausländischen Eigner der Firmen.
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DüsseldorfDie sogenannten Metadaten der Kunden der US-Telekomtochter T-Mobile USA und des Konkurrenten Verizon Wireless sollen nicht direkt vom US-Geheimdienst NSA beobachtet worden sein. Das berichtet das „Wall Street Journal“. Grund dafür seien die ausländischen Eigner der Netzbetreiber. Die Deutsche Telekom hält 74 Prozent an dem US-Geschäft, Verizon Wireless gehört zu 45 Prozent dem britischen Vodafone-Konzern.

Metadaten enthalten Informationen wie die gewählte Rufnummer, die Dauer des Gesprächs und den Standort des Mobilfunkmasts, über den ein Gespräch geführt wird. Zuletzt war bekannt geworden, dass der Datenvermittlungsarm von Verizon (Verizon Business Network Services) diese Daten an die NSA übermitteln muss und auch den Mobilfunkern Sprint und AT&T die Übermittlung auferlegt worden sein soll.

T-Mobile und Verizon Wireless seien einem solchen Beschluss wohl wegen der Besitzstruktur entkommen, schreibt die US-Zeitung unter Berufung auf amtierende und ehemalige Regierungsoffizielle. Da die Datenübermittlung durch ein spezielles Gericht erfolge, dessen Beschlüsse als „top secret“ gelten und nicht für die Augen von Ausländern („noforn“) bestimmt seien, seien T-Mobile und Verizon Wireless anders behandelt worden.

Das „Schlupfloch“ sei für den Geheimdienst aber wenig tragisch, da die Behörde dennoch etwa 99 Prozent aller US-Gespräche erfassen könne. Denn auch Gespräche aus dem Netz der beiden Anbieter würden in den meisten Fällen an einer Stelle über ein Netzwerk eines Anbieters laufen, der zu Kooperation mit der NSA per Gerichtsbeschluss verpflichtet worden sei.

Einer möglichen Übernahme des US-Mobilfunkanbieters Sprint durch den japanischen Anbieter Softbank hatte ein US-Sicherheitsgremium zuletzt aber keine Steine in den Weg gelegt. Alle sicherheitsrelevanten Fragen seien beantwortet worden. Öffentliche Aussagen zur Telefonüberwachung machte das Gremium nicht.

T-Mobile USA hat jüngst mit dem Konkurrenten Metro PCS fusioniert und will sich als Billiganbieter neue Marktanteile im US-Mobilfunkmarkt erkämpfen.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Medienbericht: Telekom entkommt US-Schnüffelei"

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  • Vodoofon und Telekomik sind dem Überwachungszugriff entkommen?

    Hab bisher selten so einen Marketing-Schwachsinn gelesen!

    Dieser Zugriff ist bei der Telekom Standard, in Deutschland genauso wie in Übersee.

    Herzlichst lachend verbleibend...


  • Die Darstellung ist so nicht richtig. Die Telekom musste wegen ihrs Engagement in der USA, eigens für den Schnüffeldienst, auf eigene Kosten eine Relaisstation errichten. siehe Berichte in dem HB.

  • Wers glaubt wird seelig. Die USA respektieren schon lange keine anderen Staaten mehr, jedenfalls keine ohne Atombomben, schon gar nicht ihren Vasallenstaat Bananenrepublik Deutschland. Da hat die Telekom wohl einfach Glück gehabt, daß sie bislang nicht mitaufgeflogen ist. Und Vodofon aus dem Land der ultimativen Überwachungsprofis UK? Selten so gelacht.
    Naja, wenigstens wird zugegeben, daß auch deren Kunden dem Großen Bruder letztlich nicht entkommen.

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