Medienexperten reagierten positiv auf den Chefwechsel
Herkules-Aufgabe für Investors Liebling

Für Premiere ist das Ende der Ära Georg Kofler kein Problem. Denn sein Nachfolger Michael Börnicke kennt den Konzern aus dem Effeff. Doch der Bezahlsender ist in schwerem Fahrwasser. Trotz des Einstiegs des Kabelkonzerns Unitymedia und dem Ende des Bundesligasenders Arena steht der Quasi-Monopolist vor einer unsicheren Zukunft– auch was die Aktionärsstruktur angeht: Neben Finanzinvestoren soll auch ein europäischer Bezahlsender an einem Einstieg bei Premiere interessiert sein.

DÜSSELDORF. Ein guter Abgang ist so wichtig wie ein guter Antritt. Kofler kennt die Gesetze des Mediengeschäfts. Und so ist der Zeitpunkt gut gewählt, beim Münchener Bezahlsender Premiere auszusteigen. Der Sohn eines Holzfällers aus Südtirol hat noch einmal richtig Kasse macht. Durch den Verkauf seines letzten Aktienpakets an dem Krisen geschüttelten Bezahlsender hat er 23 Millionen Euro an der Börse eingefahren. Zusammen mit dem Verkauf seiner Aktien im Februar und seines Millionen schweren Vorstandsgehaltes erlöste er mehr als 200 Millionen Euro. Sein fünfeinhalbjähriges Engagement bei Premiere hat sich für ihn wohl gelohnt. „Kofler hat mit Premiere mehr als 100 Millionen Euro verdient“, heißt es in Vorstandskreisen.

Börnicke ist auf seine neue Aufgabe bestens vorbereitet. Der 47-Jährige ist bereits seit neun Jahren in der Führungsspitze des Bezahlfernsehens tätig. Den Zusammenbruch des Kirch-Imperiums 2002 und die Beinahe-Pleite von Premiere hat er daher hautnah miterlebt und überlebt. Der Betriebswirt aus Mülheim an der Ruhr wird wegen seiner Sachlichkeit in der Finanzbranche geschätzt.

„Börnicke ist ein Dynamiker, der uneitel und unaufgeregt ist und fokussiert handelt“, sagt ein Managementkollege des neuen Premiere-Chefs. Die Begeisterungsfähigkeit von Kofler bringt er trotzdem mit. „Börnicke hat nicht das Showtalent von Kofler, aber er ist durchaus mit trockenem Humor ausgestattet“, sagt ein Premiere-Manager.

Die Kontinuität in der Führungsriege von Premiere bleibt somit gewahrt, zumal der Ausstieg von Kofler bei Premiere für Branchenexperten keine Überraschung war. Engen Vertrauten war schon seit Monaten aufgefallen, dass sich der frühere Bürochef des Medienunternehmers Leo Kirch eher lustlos in die nüchterne Konzernzentrale nach Unterföhring geschleppt hatte. „Nach mehr als fünf Jahren war Premiere für ihn ausgereizt. Er war nicht mehr mit 100 Prozent bei der Sache“, sagt ein Insider.

Die Börse nahm den Chefwechsel bei dem Krisen gebeutelten Fernsehunternehmen negativ auf. Die Aktie des Fernsehunternehmens sank am Nachmittag um knapp 3,2 Prozent auf 18 Euro.

Medienexperten reagierten dagegen positiv auf den Chefwechsel bei Premiere. „Michael Börnicke ist einer der erfahrensten Medienmanager in Deutschland“, lobt zum Beispiel Analyst Michael Schatzschneider von der Commerzbank den Neuen. Am Kapitalmarkt – rund 70 Prozent der Premiere-Anteile befinden sich nun in Streubesitz – habe Börnicke einen besseren Ruf als Kofler. Börnicke sei nicht emotional, sondern sachlich und zielorientiert. Das schätzen auch Investoren. Großaktionär Unitymedia mit dem nüchternen Mathematiker Parm Sandhu an der Spitze hatte in der Vergangenheit seine Probleme mit der Emotionalität und Unberechenbarkeit eines Georg Koflers. Tempi passati.

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