Der Medien-Kommissar
Amazons gefährliches Quasi-Monopol

Mit rüden Methoden kämpft der Online-Händler Amazon gegen die Verlage: Der Quasi-Monopolist will mit seiner Marktmacht das bisherige Preisgefüge für Bücher zerstören. Die Wettbewerbshüter müssen handeln.
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Die deutschsprachigen Autoren gehen auf die Barrikaden gegen Amazon. Im Kampf um höhere Rabatte fürchten sie, unter die Räder des weltgrößten Buchhändlers zu kommen. Denn gelingt es dem Konzern von Jeff Bezos, überdurchschnittliche Margen an den elektronischen Büchern bei den Verlagen durchzusetzen, erhalten die Autoren und Verleger künftig noch weniger Geld. Das trifft vor allem die Jungen und die Unbekannten.

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Verlagsgruppe Bonnier mit ihren deutschen Verlagen Piper, Ullstein, Carlsen, Berlin-Verlag und Thienemann, die sich ebenso wie die französische Verlagsgruppe Hachette gegen höhere Rabatte für Amazon bislang entschieden wehrt. Der Ausgang des Streits ist für die gesamte Buchbranche von weitreichender Bedeutung. Denn gelingt es Bezos, wichtige Verlagshäuser wie Bonnier in die Knie zu zwingen, fallen die anderen Verlage wie Domino-Steine um.

Für diese strategische Weichenstellung haben sich Bezos und sein Deutschland-Chef Ralf Kleber harte Bandagen angelegt. Ein Nachgeben auf Seiten des Amazon-Managements ist nicht in Sicht.

Die Autoren werfen dem amerikanischen Internetkonzern vor, die Bücher, Ebooks und Hörbücher der betroffenen Autoren mit bis zu zwei Wochen Verspätung auszuliefern und sie aus den Empfehlungslisten auf der Amazon-Website zu streichen. Mehr als 1000 Autoren haben diesen Vorwurf bereits unterzeichnet.

Die Forderung der Autoren nach einem fairen Buchmarkt ist richtig, aber auch ein Stück naiv. Amazon geht es als börsennotiertes Unternehmen nicht darum, zum Grashüter wirtschaftlicher Fairness aufzusteigen, sondern das Quasi-Monopol im deutschen Online-Buchhandel auszubauen und die Gewinnmargen zu steigern.

Auf den Internethandel entfielen im vergangenen Jahr nach Angaben des Börsenvereins des deutschen Buchhandels bereits 16,3 Prozent aller Branchenumsätze von zuletzt über 9,5 Milliarden Euro. Bereits im vergangenen Jahr kontrollierte Amazon nach Angaben des Bundesverband der Versandbuchhändler rund drei Viertel des deutschen Buchhandels im Internet. Tendenz steigend.

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Schon wird die Buchpreisbindung ausgehebelt

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  • Endlich kommt mal Bewegung in den preisfixierten abgeschotteten Buchmarkt.
    Dass man das Amazon zum Vorwurf macht, ist das Heulen der Verlage, Autoren und Händler, die sich plötzlich in der realen Marktwirtschaft befinden.
    Honorare und VK-Preise für "Meisterwerke" wie "Feuchtgebiete" und "Shades of Grey" können ruhig mal zur Diskussion gestellt werden.
    Außerdem sind die paar Prozent Abschlag bei ebooks im Vergleich zum aufwendig hergestellten Papierbuch viel zu niedrig.
    Ein ebook sollte doch nicht mehr als 7-8 € kosten.
    Die üppigen Spannen des Buchhandels können sich auch sehen lassen.
    Ich habe als nicht professioneller Buchbesteller für meinen Hobby-Verein bei 10 gleichen Büchern sofort 35% Rabatt erhalten und ein kostenloses Partie-Exemplar, was noch einmal 10% Nachlass bedeutet. Also 45% Handelsspanne und bei größerem Jahresumsatz evtl. noch einen Jahresbonus.

  • @Frau ilona waldera

    Fakt ist doch Amazon ist eine amerikanische Aktiengesellschaft, die tiefrote Zahlen schreibt. Wielange werden sich die Aktionäre dies fallen lassen?
    Also wird Amazon mehr Gewinn machen müssen, mit 2 Dollarzeichen in den Augen.

    Wenn dann die Marktmacht bestätigt ist, werden die Bücher mit geringem Umsatz und nicht erwarteten Gewinn abverkauft und ausgelistet. Eine Verantwortung für Vielfalt existiert nicht, siehe Thalia etc.

    Schönen Abend noch.

  • Böses, böses Amazon, gute, gute, edle Verlagswelt! Nee, so isses nicht. Es wird höchste Zeit, dass jemand dem gottähnlichen Gehabe der Verlagsherren ein Ende setzt. - Wie man sieht, ist dies immer noch nicht möglich, da das Geplärre der Lobbyisten zu groß ist, bzw. die Macht so weit reicht. Ihrem Kommentator, der kess Behauptungen als Wahrheiten hinstellt ("...junge Autoren gehen gegen Amazon auf die Barrikaden...") ins Merkbüchlein geschrieben: Die einzigen, die vom alten Verlagsmonopol profitieren, sind die etablierten Autoren. Die werden gehegt und gepflegt und fürchte mit Recht ein Ende der prachtvollen Zeiten. Junge, neue Autoren sind bei Amazon bestens aufgehoben!!!

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