Der Medien-Kommissar
ARD und ZDF feiern sich selbst – mal wieder

Beim alljährlichen Grimme-Preis räumten die Rundfunkanstalten fast alle Preise ab und die private Konkurrenz guckt weitgehend in Röhre. Ein peinliches Ritual. Doch dafür gibt es eine simple Erklärung.
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Der Grimme-Preis ist das Hochamt des alljährlichen Preisregens von ARD und ZDF, der auf die Anstalten in schöner Regelmäßigkeit niederprasselt. Wenn im Stadttheater des nordrhein-westfälischen Städtchens Marl die Preise für die besten TV-Produktionen und Einzelleistungen verliehen werden, dann ist die Spannung ungefähr so groß wie beim Vorlesen der Bibel durch den Papst. Der Ablauf der Geschichte ist seit Ewigkeiten hinlänglich bekannt: ARD und ZDF mit ihren fast zweidutzenden Kanälen räumten auch bei der 53. Grimme-Preisverleihung wieder mal groß ab. Und die private Konkurrenz? Sie schauten in die Röhre. Aus Alibigründen gab es hier und da noch eine Auszeichnung für die private Konkurrenz.

Der beim ZDF in Lohn und Brot stehende Fernsehsatiriker Jan Böhmermann brachte es bei der Preisverleihung in Marl selbstironisch auf den Punkt. „Ich bin aufgeregt. Ist ja nicht so, dass man jedes Jahr einen Grimme-Preis bekommt.“ Da klopften sich die 700 Festgäste im Saal auf die Schenkel. Denn bereits im vergangenen Jahr war der Satiriker mit zwei Grimme-Preisen bedacht worden. Schließlich hat sich Böhmermann mit seinem umstrittenen Schmähgedicht auf den türkischen Präsident Recep Tayyip Erdoğan in die Fernsehgeschichte katapultiert.

Neben dem Grimme-Ehrenpreis für die gebürtige Wienerin und einstige Hollywood-Schauspielerin Senta Berger war es dann auch schon mit den Höhepunkten der Marler Selbstbeweihräucherungsveranstaltung vorbei.

Denn von den 15 verliehenen Preisen gingen 14 an Produktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Um eine peinliche 100 Prozent-Quote für ARD und ZDF zu vermeiden, wurde schließlich der Komiker und Moderator Oliver Polak für seinen Late-Night-Talk „Applaus und Raus“ auf dem Privatsender Pro Sieben noch mit einer Ehrung bedacht. Immerhin.

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Unzeitgemäße Rundfunkanstalten

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  • Vielleicht hat der Autor auch einen Vorschlag, welche Produktionen der Privaten grimmepreisverdächtig sind? DSDS? Dschungelkcamp? Let's Dance? Nicht dass bei ARD und ZDF alles Gold ist, was glänzt. Aber der Qualitätsanspruch ist über alle Kanäle gesehen doch deutlich höher als das, was die Privaten anbieten. Und wenn bei den privaten mal gute Dokus laufen, dann sind es mein bei der BBC oder National Geographic eingekaufte Sendungen.

    Oder will der Auto vorschlagen, dass die Preise in guter deutsche Manier leistungslos nach Proporz verliehen werden müssen? So wie zwischenzeitlich das Abitur verschenkt wird?

  • Ich vermute der Autor möchte anregen, dass alle Qualitätsmedien mit diesen Preisen bedacht werden und nicht nur das staatliche GEZ Fernesehen. Immerhin unterscheidet sich auch die Berichterstattung der privaten Qualitätsmedien wenig von der der staatlicher Qualitätsmedien.

    Mit etwas politischer Inkorrektheit könnte man jedoch auch fragen warum nicht auch Medien abseits der Qualitätsmedien mit solchen Preisen bedacht werden?

    Die Dame die ihre Erlebnisse von der vorletzten Sylvesternacht in Köln als Video aufnahm, 1 1/2 Millionenfach geteilt wurde bis die Zensur das Profil der Dame am ersten Arbeitstag im neuen Jahr löschte.

    Den Solarkritiker Rainer Hoffmann der zahlreiche Videos zur Solarenergie einstellte (mittlerweile gelöscht) und sich dann im juristischen Streit mit dem GEZ Fernsehen aufrieb.

    PI News, mittlerweile einer der auflagenstärksten Blogs im Internet.

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