Der Medien-Kommissar
Attacke auf die Medienfreiheit

Mit der Demokratie in Ungarn droht es weiter bergab zu gehen. RTL als großer unabhängiger Sender wird über eine neue Steuer in den Schwitzkasten genommen. Die Bundesregierung darf nicht länger stumm bleiben.
  • 5

Andreas Rudas ist kein Mann der starken oder gar lauten Worte, vor allem nicht öffentlich. Doch die Geduld des ansonsten zurückhaltenden RTL-Vorstands ist im Fall Ungarn restlos erschöpft. „Es geht nicht nur um RTL, sondern um die Medienfreiheit. Es kann nicht sein, dass es mitten in Europa ein Land ohne unabhängige Medien gibt“, sagt mir der Österreicher, der fließend ungarisch spricht.

Was ist passiert? Ungarns rechtspopulistischer Regierungschef Viktor Orbán nimmt die noch freien Fernsehsender in den Schwitzkasten. Seine Fidesz-Partei, die im Budapester Parlament eine Verfassung ändernde Zwei-Drittel-Mehrheit verfügt, schlägt eine ausgesprochen hohe Besteuerung der Werbeeinnahmen von Medien-Unternehmen. Der Höchststeuersatz von 40 Prozent richtet einzig und allein gegen RTL. Die TV-Tochter des Medienriesens Bertelsmann ist der Marktführer und für seine redaktionelle Unabhängigkeit bekannt. In dieser Woche soll über den Gesetzantrag entschieden werden.

Rudas, der bei Europas größtem Fernsehkonzern das internationale Geschäft mitverantwortet, will kämpfen um die Freiheit der Medien. Er gibt sich konfliktfähig. Von einem Verkauf der ungarischen TV-Tochter wie vom Konkurrenten Pro Sieben Sat 1 im vergangenen Jahr, will der Freund Ungarns gar nichts wissen.

Die jüngsten Pläne der Orbán-Partei sind einfach zu durchschauen. Es ist der Versuch, die letzten verbliebenen unabhängigen Fernsehsender an die Kandare zu nehmen.

Für RTL ist das Ungarn-Geschäft bislang ein kleines Juwel. Der Budapester Sender RTL Klub mit 300 Festangestellten und 300 freien Mitarbeitern ist mit einem Marktanteil von 23,9 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe die Nummer eins unter den privaten Sendern. Der seit langem von Dirk Gerkens geleitete Kanal erzielte bei einem Umsatz von 100 Millionen Euro im vergangenen Jahr ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) von 15 Millionen Euro.

Seite 1:

Attacke auf die Medienfreiheit

Seite 2:

Der Protest ist groß

Kommentare zu " Der Medien-Kommissar: Attacke auf die Medienfreiheit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Im Mittelalter die Feinden schleuderten die Leichen von Pestopfern mit Katapulten in die Staedte. Dafür gibt es heutzutage RTL.

  • Im Mittelalter die Feinden schleuderten die Leichen von Pestopfern mit Katapulten in die Staedte. Dafür gibt es heutzutage RTL.

  • Schöne Selbstsatire der Artikel. Es gibt nichts verlogenes als westliche Propaganda.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%