Der Medien-Kommissar
Content-Marketing killt Journalismus

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Auf dem Weg zum medialen Brei

Auch wenn beim professionellen Content-Marketing der Bezahler von scheinbar journalistischen Beiträgen ordnungsgemäß genannt wird – für den Nutzer verschwimmen die Grenzen immer mehr. Für sie wird es immer schwieriger, zwischen Information und Reklame zu unterscheiden. Am Ende steht ein medialer Brei.

Content-Marketing ist brandgefährlich für eine Gesellschaft, die Ehrlichkeit und Transparenz ernst nimmt. Denn diese Werbeform beschädigt kontinuierlich den kritischen Journalismus. Sie erschüttert systematisch das Vertrauen der Nutzer in die Unabhängigkeit von Inhalten. Die Folgen des Vertrauensverlustes in die Medien sind bereits überall in Europa sichtbar. Populisten von rechts und links in Europa profitieren davon.

Wenn den Werbetreibenden, allen voran die großen Unternehmen, am kritischen Journalismus und damit an der Glaubwürdigkeit von Medien, aber auch Marken etwas liegt, braucht es eine Umkehr im Marketing. Glaubwürdigkeit und Vertrauen kann medial nur mit unabhängigen Medien generiert werden. OMV-Kommunikationschef Vetter wirft die entscheidende Frage auf: Wie kann die werbetreibende Wirtschaft ihrer medialen Verantwortung gerecht werden und kritischen Journalismus direkt und indirekt fördern? Der Verzicht auf Content-Marketing wäre ein erster, sehr wichtiger Schritt dazu.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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Content-Marketing killt Journalismus

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Auf dem Weg zum medialen Brei

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Der Medien-Kommissar: Content-Marketing killt Journalismus"

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  • Den Verzicht auf Content Marketing zu fordern ist weder sinnvoll noch realistisch. Außerdem ist nicht Content Marketing das Problem des Journalismus, der Vertrauensverlust kommt ganz woanders her, nämlich von dem Eindruck dass klassische Medien Staatspropaganda betreiben, den viele Leser scheinbar haben.

    Hier mein ausführlicher Artikel zu dem Thema: http://www.contentflowers.at/fake-news-killen-journalimus/

  • Interessanter Artikel. Aber wir sollten nicht vergessen, dass das Handelsblatt selbst mit seinen beigelegten "Journalen" teures Content-Marketing betreibt.
    Wie Herr Siebenhaar schreibt:
    "[...] Magazine, Zeitungen, Radioprogramme, Videos und Fotos [...]– es gibt viele Wege, um auf raffinierte Weise die Werbebotschaft loszuwerden. "
    Die Journal-Beilagen sind genau dies: Content-Marketing, dass "auf raffinierte Weise" Werbebotschaften verbreitet.

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