Der Medien-Kommissar
Bitte nicht abschalten!

Über das Vergnügen überall erreichbar zu sein, jederzeit Urlaubsfotos um die Welt zu senden und beliebig Informationen und Unterhaltung abrufen zu können. Ein Plädoyer für die digitale Muße.
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Wenn die Temperaturen am Mittelmeer über 30 Grad steigen und die Feriensaison an den Küsten Europas ihren Höhepunkt entgegen geht, wird in den Medien das Loblied auf die Unerreichbarkeit angestimmt. Kein Smartphone, kein Internet, kein Fernsehen, kein Radio. Geht es nach den Kulturpessimisten, soll die Urlaubszeit zur medialen Fastenzeit mutieren. Ganze Bücher und unzählige Artikel fordern Jahr für Jahr zur kommunikativen Enthaltsamkeit auf. Selbstgeißelung gehört eben schon immer zu Deutschland wie die Currywurst.

Was der Apologeten des medialen Untergangs verschweigen: Das Leben im Off ist freudlos und unbequem. Warum mühsam noch einen Brief schreiben, wenn ich meine Stranderlebnisse samt Bild in Sekundenschnelle zu den Freunden in Los Angeles schicken?

Warum die Herbergen an der Promenade des südfranzösischen Badeortes abklappern, wenn ich das letzte freie Bett mit ein paar Klicks auf den Smartphone blitzschnell lokalisieren kann. Warum nicht beim Warten vor der umlagerten Eisdiele in Florenz nicht schnell mal E-Mails checken, um am ersten Arbeitstag keinen Nervenzusammenbruchs angesichts der vielen elektronischen Botschaften zu erleiden?

Das Leben in der digitalen Kommunikationswelt ist schön, aufregend und kreativ – gerade in der Ferienzeit. Endlich hat man mal Zeit, sich das eigene Fotoalbum und die selbst gedrehten Videos des letzten Winterurlaubs ausführlich anzusehen, die Bilder mit roten Augen und schiefer Visage zu löschen oder die Kontakte, die eigentlich überflüssig sind, bei LinkedIn, Xing und Twitter auszusortieren.

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Digitale Kommunikation stimuliert

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