Der Medien-Kommissar Das Ende der „Sportschau“ droht

Der Milliarden-Deal der englischen Premier League zeigt es: Die Fußball-Bundesliga könnte mit den Fernsehrechten viel mehr Geld verdienen. Dafür müsste sie jedoch alte Tabus und die Gewohnheiten der Fans brechen.
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Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Schock für die Deutsche Fußball Liga (DFL) durch den neuen TV-Vertrag der englischen Premier League sitzt tief. Von einer „medialen Atombombe“ war im Umfeld von DFL-Chef Christian Seifert die Rede. Die Einschätzung ist richtig. Denn auch im deutschen Fußball ist nach der neuen Vereinbarung für die englische Premier League nichts mehr, wie es vorher war.

Rund 9,5 Milliarden Euro werden die englischen Klubs mit ihrem neuen Vertrag zwischen 2016 und 2019 aus den Fernseh- und Internetrechten einnehmen – 6,9 Milliarden Euro auf dem Inlandsmarkt und 2,6 Milliarden Euro aus der Auslandsvermarktung. Zum Vergleich: Die Deutsche Fußball Liga erwartet in der Saison 2016/17 gerade mal Einnahmen von 835 Millionen Euro (inklusive der Auslandsrechte von rund 160 Millionen Euro) – ein vergleichsweise bescheidener Betrag. Natürlich ist die Bundesliga nicht mit der Premier League zu vergleichen. Dazwischen liegt noch immer wirtschaftlich eine oder gar zwei Klassen.

Doch eines ist auch klar: die Fußball-Bundesliga verkauft ihrer Medienrechte noch viel zu preiswert. Bei der kommenden Ausschreibung Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres muss sich die DFL als Organisation der Profi-Klubs endlich auch zu unpopulären Maßnahmen durchringen. Wenn man gar in die Nähe von einer Milliarde Euro will, wird die Bundesliga zwangläufig ausschließlich im Pay-TV zu sehen sein. Nur so lassen sich Spitzenpreise erreichen.

Mit dem Milliarden-Deal der englischen Premier League naht das Ende der ARD-„Sportschau“. Das Gebührenfernsehen – ARD und ZDF – hatte zuletzt vergleichsweise bescheidene rund 120 Millionen Euro für die Fernsehrechte pro Saison gezahlt. Das Zugeständnis der DFL an das Erste macht aber ökonomisch längst keinen Sinn mehr. Mit einer exklusiven Rechtevergabe an ein Medien-, Kabel- und Telekommunikationsunternehmen lassen sich zweifellos sehr viel höhere Preise erzielen, die den Verlust der ARD-„Sportschau“ spielend ausgleicht.

DFL-Chef Seifert kennt die Mechanik des TV-Rechtegeschäfts wie kein Zweiter. Sein größtes Problem sind noch die Klubs mit ihrer geringen strategischen Weitsicht. Sie haben aus Rücksicht auf Sponsoren und Fans bei der vergangenen Rechtevergabe verhindert, dass der ARD-„Sportschau“ der Garaus gemacht wurde. Eine teure Entscheidung.

Bei der nächsten Runde darf es aus wirtschaftlichen Gründen keine Tabus mehr geben. Das gilt nicht nur für die Umverteilung von Anstoßzeiten, sondern auch für das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

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8 Kommentare zu "Der Medien-Kommissar: Das Ende der „Sportschau“ droht"

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  • Viel mehr Geld aus TV-Vermarktung? Pay-TV tut sich in DE recht schwer. SKY (Premiere) hat noch nie wirklich Geld verdient. Eine komplette Verlagerung der Fußballübertragungen zum Pay-TV wird zwar mehr Kunden bringen, aber auch wesentlich mehr Kosten verursachen. Ob sich das dann für die Sender rechnet?

  • Der Fußball und andere Sportereignisse haben in den ÖRR (abgesehen von einer Zusammenfassung in den Nachrichten) nichts (mehr) zu suchen. Warum soll die Allgemeinheit etwas finanzieren, was nur einen Bruchteil interessiert. Die Formel-eins und andere (für mich) interessantere Ereignisse muß ich auch Werbefinanziert in den privaten Medien oder gegen Cash im Pay-TV schauen. Es wird Zeit, dass der Fußball nicht mehr bevorzugt wird.

  • In dieser Diskussion wird einiges vermischt, was nicht zusammengeht, meine ich. Der deutsche Profifußball hat mit der breiten Vereins- und Jugendarbeit so ziemlich nichts zu tun. Profifußball ist Showgeschäft und sollte auch so behandelt werden.

  • Na wenn sie mehr Geld einnehmen können sollen sie das machen, keine Frage. Aber dann sollen sie auch bitte für die Leistungen zahlen die ihnen die Gesellschaft erweisen, zB Polizei, Ordnungsdienste usw. Wenn der Bürger kein Recht mehr auf allgemeine "Information" hat, dann bitte auch die Schritte konsequent zu ende Denken.

  • "Auch ein Opernliebhaber zahlt Eintritt Fußball ist kein Gemeingut. Fußball ist Privatsache. Wer die Spiele der Bundesliga sehen will, muss eben in die Tasche greifen, genauso wie ein Aficionado des Musiktheaters, der die besten Opern live im Bezahlfernsehen mitverfolgen will. " Ähm, gerade die Opernhäuser sind hoch subventioniert. In Berlin und Frankfurt liegt die Kostendeckung bei gerade einmal 17% des Kartenpreises. Jeder Zuschauer wird vom Staat bezuschusst. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/subventionen-wie-deutsche-opernhaeuser-den-steuerzahler-schroepfen/3659790.html Kommen wir auf den Fussball zurück: Welche enormen volkswirtschaftlichen Umsätze werden hier generiert? Welche riesige Jugendarbeit gestemmt? Wie viele Arbeitsplätze mit Clubs, Infrastruktur und Merchandisingartikeln generiert? Gerade das Beispiel zeigt doch, dass Fussball eher gefördert als geschröpft gehört. Die jungen Menschen sollten an den Fussball, auch übers Fernsehen, heran geführt werden. Was kosten uns denn die Kultursender Arte und 3sat (ganz zu schweigen vondem "normalen" Kulturprogramm der Öffentlich Rechtlichen.) jährlich? Wie viele junge Menschen führt denn die Oper ans Vereins- und Gemeinwesen heran? Wie viele Kinder werden für Sport durch die Oper begeistert? Ich bin Operngänger. Aber dieser Vergleich zeigt gerade das Gegenteil

  • Der Autor erwähnt nicht, dass ein Großteil der TV-Einnahmen der Premier League aus der Auslandsvermarktung stammt. Und die ist vor allem Sache der DFL. Wenn hier das große Potenzial also nicht ausgeschöpft wird, ist die DFL dafür verantwortlich und nicht sturköpfige Vereinsoberhäupter.

  • Aha. Hat sich der Korrekturleser für heute krank gemeldet?

  • "Dafür müsste sie sich jedoch an Tabus – und an die Gewohnheiten der Fans."

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